Dupes verstehen

Was ein Dupe ist – und was er nicht ist

Zwischen Inspiration und Fälschung liegt eine klare Grenze. Wo genau sie verläuft.

von DupeVergleich · · 8 Min Lesezeit

Ein Dupe ist ein Parfüm, das den Duftverlauf eines bekannten Originals nachbaut und unter eigenem Namen verkauft wird. Auf dem Flakon steht keine fremde Marke, die Verpackung ist nicht kopiert, und niemand behauptet, das Original in der Hand zu halten. Eine Fälschung macht genau das Gegenteil: Sie übernimmt Name, Logo und Aufmachung und gibt vor, aus dem Haus zu stammen, dessen Schriftzug sie trägt. Was drin ist, ist ihr zweitrangig – verkauft wird das Etikett.

Der Unterschied klingt nach Juristendeutsch, ist aber der einzige, der praktisch etwas ändert. Er entscheidet, ob ein Produkt in der EU überhaupt verkauft werden darf, ob es vor dem Verkauf eine Sicherheitsbewertung durchlaufen hat und ob es jemanden gibt, der dafür haftet. Alles andere – Preis, Nähe zum Original, Haltbarkeit – ist eine Frage von mehr oder weniger. Das hier ist eine Frage von ja oder nein.

Und noch etwas ist ein Dupe nicht: die Rezeptur des Originals. Duftformeln sind Betriebsgeheimnisse, sie werden nicht veröffentlicht und nicht lizenziert. Wer einen Dupe entwickelt, arbeitet mit chemischer Analytik und der eigenen Nase und kommt in die Nähe. Wie nah, weiß niemand außerhalb des Labors genau – auch wir nicht, und darauf kommt der Text am Ende zurück.

Die Formel ist kaum geschützt, die Marke sehr

Ob ein Duft überhaupt urheberrechtlich geschützt sein kann, haben zwei europäische Höchstgerichte im Juni 2006 innerhalb von drei Tagen gegensätzlich beantwortet. Die französische Cour de cassation entschied am 13. Juni, ein Parfüm sei das Ergebnis handwerklichen Könnens und damit kein urheberrechtlich geschütztes Werk. Der niederländische Hoge Raad hielt am 16. Juni das Gegenteil für möglich: Ein Duft könne wahrnehmbar und originell genug sein, um Schutz zu genießen. Aufgelöst wurde der Widerspruch nie. In der Praxis verlässt sich deshalb kein Haus auf das Urheberrecht, sondern auf Geheimhaltung.

Sehr gut geschützt ist dagegen alles, was man sehen kann: der Markenname, das Logo, die Flakonform, die Gestaltung der Verpackung. Genau hier verläuft die Grenze. Den Geruch nachzubauen ist erlaubt, den Namen zu benutzen nicht.

Für die Werbung hat der Europäische Gerichtshof das 2009 im Verfahren L'Oréal gegen Bellure präzisiert: Wer sein Produkt – ausdrücklich oder erkennbar zwischen den Zeilen – als Imitation oder Nachahmung einer geschützten Marke darstellt, betreibt unzulässige vergleichende Werbung. Die damals üblichen Vergleichslisten, die jedem Billigduft ein teures Vorbild zuordneten, fielen darunter. Der Bundesgerichtshof hat das 2011 im Fall Creation Lamis für Deutschland ausbuchstabiert: Der Handel mit Duftimitaten ist nicht per se unlauter. Unzulässig wird es dort, wo die Aufmachung selbst eine klare Imitationsbehauptung aufstellt – Assoziationen allein genügen nicht.

Diese Rechtslage kann man in unserer Datenbank ablesen. Von den 16 erfassten Dupe-Anbietern benennt genau einer seine Flakons nach dem Vorbild: Bei The Essence Vault tragen alle 243 Einträge die Form „Inspired by …“ plus Markenname. Alle übrigen Anbieter arbeiten mit Nummern oder Fantasienamen – L'ARISÉ vergibt dreistellige Codes wie 482, Perfume Parlour nennt seine Aventus-Interpretation „Avalanche Fruity For Men – 0022“, Dossier verkauft sie als „Musky Oakmoss“. Der Kunde muss die Zuordnung selbst kennen oder nachschlagen. Genau das ist der Punkt, an dem die Rechtsprechung die Grenze gezogen hat.

Woran eine Fälschung scheitert

Ein Parfüm, das in der EU verkauft wird, unterliegt der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Sie verlangt eine verantwortliche Person mit Sitz in der EU, die für die Einhaltung aller Pflichten geradesteht (Artikel 4). Sie verlangt, dass das Produkt vor dem Inverkehrbringen elektronisch bei der Kommission gemeldet wird (Artikel 13). Und sie verlangt eine Kennzeichnung, die dauerhaft, lesbar und sichtbar Name und Anschrift dieser verantwortlichen Person, Füllmenge, Mindesthaltbarkeit, Chargennummer und die Liste der Bestandteile ausweist (Artikel 19).

Dazu kommt die Allergenkennzeichnung nach Anhang III. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 wurde diese Liste erheblich erweitert: Zu den bisherigen 24 Duftstoffen kommen 56 weitere, die ab bestimmten Schwellenwerten – 0,001 Prozent bei Produkten, die auf der Haut bleiben – einzeln auf der Verpackung stehen müssen. Neue Produkte dürfen ohne diese Angaben nur noch bis zum 31. Juli 2026 in Verkehr gebracht werden, Restbestände bis zum 31. Juli 2028 abverkauft. Das ist keine Aussage darüber, ob ein Duft verträglich ist – es ist die einzige Möglichkeit, überhaupt nachzusehen, was enthalten ist. Wer auf einen bestimmten Stoff reagiert, kann nur so vergleichen.

Eine Fälschung erfüllt nichts davon. Sie hat keine verantwortliche Person, keine Meldung, keine belastbare Bestandsliste – ihr Aufwand steckt im nachgedruckten Karton. Wie groß der Markt ist, zeigen die Zollzahlen: 2024 wurden in der EU über 112 Millionen gefälschte Artikel mit einem geschätzten Verkaufswert von 3,8 Milliarden Euro aus dem Verkehr gezogen. Parfüms machten davon gut 3 Prozent der Stückzahl aus. Sieben Mitgliedstaaten – Italien, Spanien, Frankreich, die Niederlande, Portugal, Rumänien und Polen – stehen für 90 Prozent aller Aufgriffe.

Praktisch heißt das: Ein Angebot, das den Markennamen des Originals trägt und deutlich unter dem üblichen Preis liegt, ist eine Fälschung, kein Dupe. Ein Dupe wird nie als Original angeboten – wenn er das täte, wäre er keiner mehr.

Was Dupes preislich tatsächlich leisten

In unserer Datenbank stehen derzeit 4.308 Originale, für 3.275 davon ist mindestens ein Dupe erfasst. Die 16 Anbieter führen zusammen 5.241 Flakons mit regulärem Preis. Der Median liegt bei 68,1 Cent pro Milliliter, die Spanne reicht von 15,6 bis 319,3 Cent.

Der obere Rand dieser Spanne ist der Grund, warum man den Flakonpreis ignorieren und pro Milliliter rechnen sollte. Ein Beispiel aus dem Aventus-Feld weiter unten: L'ARISÉ führt dazu zwei Flakons. Die Nummer 482 kostet 36,95 Euro für 100 Milliliter, das sind 37,0 Cent pro Milliliter. Die Nummer 080 kostet 23,95 Euro für 50 Milliliter – auf den Milliliter gerechnet 47,9 Cent und damit knapp 30 Prozent teurer, obwohl der Flakonpreis niedriger aussieht.

Aussagekräftiger ist der direkte Vergleich. Für 1.100 Originale liegt uns sowohl ein Listenpreis als auch mindestens ein bepreister Dupe vor. Das Original kostet im Median 171,1 Cent pro Milliliter, der jeweils günstigste Dupe 53,4 Cent. Im Median zahlt man also rund 28 Prozent – gut ein Viertel des Originalpreises, nicht ein Zehntel. Wer mit Ersparnissen von 90 Prozent rechnet, rechnet an der Realität vorbei.

Ein Beispiel: Creed Aventus

Aventus von Creed, erschienen 2010, ist eines der Standardvorbilder der Branche – 13 bepreiste Nachbauten stehen bei uns dazu. Der Listenpreis des Originals beträgt 340 Euro für 100 Milliliter, also 340 Cent pro Milliliter. Die Community bewertet den Duft mit 8,4 von 10 Punkten bei 8.453 abgegebenen Stimmen, Haltbarkeit und Sillage jeweils mit 7,3. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kommt dagegen nur auf 5,5 von 10 – die eigenen Käufer halten den Preis also für nicht ganz angemessen. Wichtig zur Einordnung: Solche Werte sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten. Das gilt für alle Community-Wertungen auf dieser Seite.

Das Duftgerüst, das ein Dupe treffen muss, ist ungewöhnlich klar konturiert. In der Herznote dominiert Ananas mit der höchsten von uns erfassten Gewichtung, begleitet von indonesischem Patchouli und wenig Jasmin. Die Kopfnote führt Bergamotte an, dahinter Apfel, rosa Pfeffer, schwarze Johannisbeere und Zitrone. Die Basis stützt sich auf Birke, darunter Eichenmoos, Moschus, Zedernholz und etwas Ambra. Als Akkorde stehen fruchtig und frisch an erster Stelle, holzig, rauchig und zitrisch folgen. Fruchtige Ananas über rauchiger Birke – daran scheitern oder gelingen die Nachbauten.

Die 13 erfassten Nachbauten liegen zwischen 32,6 und 153,3 Cent pro Milliliter. Fünf davon im Überblick:

AnbieterFlakonPreisCent/mlNähe (Markenwert)
The Essence Vault100 ml34,97 €35,078 %
L'ARISÉ (482)100 ml36,95 €37,090 %
Dossier (Musky Oakmoss)50 ml39,00 €78,093 %
ÉCLAT (262 VIP)55 ml49,95 €90,892 %
The Dua Brand (Poseidon's Elixir 2.0)34 ml52,11 €153,387 %

Zur Spalte „Nähe“ gehört eine Einschränkung, die man kennen muss: Der Prozentwert ist ein Markenquerschnitt, kein Messwert für den einzelnen Flakon. Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt – nicht, dass ausgerechnet dieser Aventus-Nachbau zu 93 Prozent mit dem Original übereinstimmt. Eine belastbare Zahl je Flakon gibt es nicht, und wir tun nicht so, als hätten wir eine.

Die Tabelle zeigt außerdem, dass „Dupe“ nichts über den Preis aussagt. Über alle 13 Einträge liegt zwischen dem günstigsten und dem teuersten der Faktor 4,7. Der billigste Anbieter ist zugleich der mit der niedrigsten Nähe-Einstufung im Feld. Der teuerste liegt bei 153 Cent pro Milliliter – knapp der halbe Originalpreis, abgefüllt in 34 Millilitern. Bei den Haltbarkeitsangaben ist dieselbe Vorsicht angebracht: Unsere Werte dazu sind redaktionelle Einschätzungen im Verhältnis zum Original, keine Messungen. Für The Essence Vault liegt sie bei rund 80 Prozent der Originalhaltbarkeit, für Dossier bei rund 103 Prozent.

Alle erfassten Dupes zu Creed Aventus mit Preis pro Milliliter

Bleibt der Punkt, an dem auch wir nur begrenzt weiterhelfen. Die Rezeptur des Originals kennt niemand außerhalb von Creed, die des Nachbaus niemand außerhalb des jeweiligen Labors. Nähewerte sind Einordnungen, Haltbarkeitsangaben sind Schätzungen, Community-Bewertungen sind Meinungen von Käufern. Diese Daten taugen zur Vorauswahl: Sie sagen, welche drei von dreizehn Flakons überhaupt in Frage kommen und was sie pro Milliliter kosten. Ob einer davon auf der eigenen Haut über acht Stunden das tut, was das Original tut, entscheidet sich beim Tragen. Deshalb sind Duftproben der billigste Teil dieser Rechnung und meistens der einzige sinnvolle erste Schritt.

Quellen

  1. Copyright in the Courts: Perfume as Artistic Expression? · WIPO Magazine, World Intellectual Property Organization · abgerufen am 14. August 2026
  2. Urteil des Gerichtshofs vom 18. Juni 2009, L'Oréal SA u. a. gegen Bellure NV u. a., Rechtssache C-487/07 · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · abgerufen am 14. August 2026
  3. Werbung für Markenparfümerieimitate – BGH, Urteil vom 5. Mai 2011, I ZR 157/09 (Creation Lamis) · Terhaag & Partner Rechtsanwälte · abgerufen am 14. August 2026
  4. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · abgerufen am 14. August 2026
  5. Verordnung (EU) 2023/1545 zur Kennzeichnung allergener Duftstoffe in kosmetischen Mitteln · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · abgerufen am 14. August 2026
  6. European Union detains 112 million counterfeit items worth €3.8 billion in 2024 · Europäische Kommission, GD Steuern und Zollunion / EUIPO · abgerufen am 14. August 2026

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Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion

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Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.

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