Dupes aus dem Ausland bestellen: Zoll, Einfuhr und was schiefgehen kann
Ab wann Zoll und Einfuhrumsatzsteuer anfallen, warum der Firmensitz nichts über den Versandort sagt und wann ein Paket hängen bleibt.
von DupeVergleich · · 8 Min Lesezeit
Am 1. Juli 2026 ist die Zollfreigrenze von 150 Euro in der gesamten EU weggefallen. Bis dahin war eine Bestellung aus Großbritannien, der Schweiz oder den USA unterhalb dieses Warenwerts zollfrei – Einfuhrumsatzsteuer wurde zwar fällig, aber kein Zoll. Seitdem gilt für Sendungen bis 150 Euro aus Fernabsatzgeschäften ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenkategorie. Die Regel ist bis zum 1. Juli 2028 befristet; danach sollen auch Kleinsendungen regulär nach Zolltarif abgefertigt werden.
Für Dupe-Käufer ist das mehr als eine Randnotiz. Von den rund 5.600 Dupes, die bei uns sichtbar sind, verlassen 2.413 ein Lager außerhalb der EU. 1.744 kommen aus der EU, bei 1.471 haben wir keinen belastbaren Versandort hinterlegt. Der größte Anbieter im Feld, Perfume Parlour mit 1.991 erfassten Düften, versendet aus Großbritannien – und Großbritannien ist seit 2021 Drittland.
Dieser Text rechnet durch, was dabei tatsächlich zusammenkommt, und benennt die Punkte, an denen eine Bestellung scheitert, bevor sie ankommt. Die Preise stammen aus unserer Datenbank, die Regeln von Zoll, Bundesfinanzministerium und EU-Kommission.
Was seit dem 1. Juli 2026 gilt
Drei Abgaben können auf eine Sendung aus dem Drittland treffen, und sie werden oft verwechselt. Erstens der Zoll: pauschal 3 Euro je Warenkategorie bei einem Warenwert bis 150 Euro. Die EU-Kommission stellt ausdrücklich klar, dass diese Pauschale unabhängig vom gewählten Umsatzsteuerverfahren greift – auch dann, wenn der Shop den Import-One-Stop-Shop (IOSS) nutzt und die Steuer bereits an der Kasse einzieht. Oberhalb von 150 Euro gilt weiterhin der reguläre Zolltarif; Parfüm läuft dort unter der Warennummer 3303 00 10.
Zweitens die Einfuhrumsatzsteuer, in Deutschland 19 Prozent. Sie ist unabhängig von der Zollfrage und fällt seit Juli 2021 ab dem ersten Cent an – die frühere 22-Euro-Grenze gibt es nicht mehr. Bemessungsgrundlage ist nicht der Warenwert allein, sondern der Zollwert: Ware plus Versandkosten plus Zoll. Wer 30 Euro Ware und 15 Euro Versand bezahlt, versteuert 45 Euro plus Pauschalzoll, nicht 30.
Drittens das Entgelt des Zustellers. Legt DHL die Abgaben für den Empfänger aus, berechnet das Unternehmen eine Auslagepauschale, die im März 2025 von 6 auf 7,50 Euro gestiegen ist. Diese Pauschale ist keine Steuer, sondern eine Dienstleistungsgebühr, und sie ist immer gleich hoch – egal ob die Sendung 30 oder 300 Euro wert ist. Genau deshalb trifft sie kleine Bestellungen am härtesten. Zieht der Shop die Steuer über IOSS schon im Warenkorb ein, entfällt sie in der Regel, weil der Zusteller nichts mehr vorstrecken muss.
Ein Punkt bleibt offen: Wie „je Warenkategorie“ bei mehreren Flakons ausgelegt wird, ist noch nicht durchgängig geklärt. Das Bundesfinanzministerium erläutert die Pauschale am Beispiel unterschiedlicher Warenarten in einer Sendung – zehn Paar Socken, zwei Kabelbinder und vier Hosen ergeben 9 Euro. Ob vier verschiedene Düfte eine Kategorie sind oder vier, entscheidet die Anmeldung. Für die folgende Rechnung nehmen wir eine Position an; im ungünstigen Fall kommen je weiterer Position 3 Euro dazu.
Der Firmensitz sagt nichts über den Versandort
Die häufigste Fehlannahme beim Dupe-Kauf: Ein Shop mit deutscher Domain und deutschem Impressum liefere auch aus Deutschland – und umgekehrt. In unseren Daten fällt beides regelmäßig auseinander. Fiore Parfums ist in Delaware registriert und versendet aus Deutschland. Epris Fragrances sitzt in New Mexico und versendet ebenfalls aus Deutschland. Kazaar Fragrances führt einen karibischen Sitz und verschickt aus der Schweiz – also aus einem Drittland, obwohl die Ware nur wenige hundert Kilometer entfernt liegt.
Für den Zoll zählt allein, wo die Sendung in den zollrechtlich freien Verkehr der EU eintritt. Ein Paket aus einem deutschen Lager löst keinerlei Einfuhrabgaben aus, auch wenn die Firma dahinter in den USA sitzt. Ein Paket aus Zürich oder Manchester tut es, auch wenn der Shop auf Deutsch verkauft und in Euro auszeichnet. Deshalb weisen wir Sitz und Versandland getrennt aus.
Sitz und Versandland aller erfassten Shops in der Übersicht →
Was aus 32,64 Euro wird
Rechnen wir es an echten Preisen durch. The Essence Vault versendet aus Großbritannien; der Median unserer 237 erfassten Düfte liegt bei 32,64 Euro für 100 ml, also 33 Cent je Milliliter. Perfume Parlour, ebenfalls Großbritannien, liegt im Median bei 37,37 Euro für 60 ml – 62 Cent je Milliliter. Beide Preise sind Shop-Preise ohne Versand und ohne Abgaben.
| Bestellung | Warenwert | Pauschalzoll | 19 % EUSt | Auslagepauschale | Summe | je ml |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 × 100 ml, The Essence Vault | 32,64 € | 3,00 € | 6,77 € | 7,50 € | 49,91 € | 50 ct |
| 4 × 100 ml, The Essence Vault | 130,56 € | 3,00 € | 25,38 € | 7,50 € | 166,44 € | 42 ct |
| 4 × 60 ml, Perfume Parlour | 149,48 € | 3,00 € | 28,97 € | 7,50 € | 188,95 € | 79 ct |
Die Versandkosten des Shops sind hier nicht enthalten. Sie erhöhen den Warenwert nicht, wohl aber den Zollwert und damit die Einfuhrumsatzsteuer – jeder Euro Porto kostet 19 Cent zusätzlich. Ebenfalls nicht enthalten: der Wechselkurs, wenn der Shop in Pfund oder Dollar abrechnet, und die Fremdwährungsgebühr mancher Karten.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Regressivität: Aus 33 Cent je Milliliter werden bei einem einzelnen Flakon 50 Cent, ein Aufschlag von gut der Hälfte. Bei vier Flakons sind es 42 Cent, weil sich die 7,50 Euro auf mehr Volumen verteilen. Wer aus dem Drittland bestellt, zahlt für kleine Bestellungen strukturell drauf. Zweitens die Verschiebung im Vergleich zu EU-Anbietern: Die 60-ml-Bestellung bei Perfume Parlour landet bei 79 Cent je Milliliter. In der EU liegen im selben Datensatz TC Duftzwillinge bei 35 Cent je Milliliter (34,95 Euro für 100 ml), L'ARISÉ bei 48 Cent (23,95 Euro für 50 ml), Maison Afford bei 53 Cent (29,90 Euro) und ÉCLAT bei 87 Cent im Median.
Damit ist der britische Preisvorteil bei kleinen Bestellungen weitgehend aufgezehrt. Das heißt nicht, dass die Düfte austauschbar wären – Konzentration, Ergiebigkeit und Trefferquote unterscheiden sich zwischen Anbietern deutlich, und der Ähnlichkeitswert, den wir je Shop ausweisen, ist ein Markenquerschnitt aus Nutzerangaben, keine Messung am einzelnen Flakon. Der Punkt ist enger: Wer bisher nach dem Milliliterpreis im Warenkorb entschieden hat, entscheidet seit Juli auf falscher Grundlage.
Wenn der Shop gar nicht liefert
Der teuerste Fehler ist nicht die Abgabe, sondern die Bestellung, die nie ankommt. The Dua Brand, mit 1.270 erfassten Düften der zweitgrößte Anbieter in unserem Datenbestand, schließt den EU-Verkauf inzwischen in den eigenen Bedingungen aus: Im Abschnitt „Legal Jurisdiction & Brand References“ der Shipping Policy steht, dass der Shop weder Verkauf noch Versand an Kunden in der Europäischen Union anbietet (abgerufen am 14. August 2026).
The Dua Brand does not offer sales or shipping to customers in the European Union (EU).
The Dua Brand, Shipping Policy, Abschnitt „Legal Jurisdiction & Brand References“, abgerufen am 14.08.2026
In unserem Datenbestand ist der Shop bislang als nach Deutschland lieferfähig geführt – ein Stand aus dem Import, der dieser Angabe widerspricht. Im Zweifel gilt, was der Shop selbst schreibt. Der Fall ist typisch: Versandbedingungen ändern sich schneller, als jede Datenbank nachzieht, und ein Anbieter, der seine Bestellstrecke für die EU dichtmacht, kündigt das selten an. Ein Blick in die Shipping Policy vor dem Absenden kostet zwei Minuten.
Zweiter Stolperstein: die Rücksendung. Rückversand in die USA oder nach Großbritannien kostet regelmäßig mehr, als der Flakon wert ist. Bezahlte Einfuhrabgaben werden nicht automatisch erstattet, wenn Ware zurückgeht – das ist ein eigenes Verfahren gegenüber der Zollstelle, das man anstoßen muss. Wer bei einem Drittlandsshop bestellt, sollte das Geld als gebunden betrachten, bis der Duft gefällt.
Was auf dem Flakon stehen muss
Kosmetik, die in der EU in Verkehr gebracht wird, braucht nach der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 eine in der Union ansässige verantwortliche Person. Sie hält die Produktinformationsdatei vor, lässt die Sicherheitsbewertung erstellen, meldet das Produkt im CPNP-Portal und haftet für die Kennzeichnung. Bestellt ein Verbraucher direkt bei einem Händler außerhalb der EU, gibt es diese Adresse in der Regel nicht – und damit auch keinen Ansprechpartner im Inland, wenn etwas mit der Rezeptur nicht stimmt.
Aktuell wird das an einem konkreten Punkt sichtbar. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 hat die Kommission die Liste der einzeln kennzeichnungspflichtigen Duftstoffallergene von 24 auf rund 80 Stoffe erweitert; deklariert werden muss ab 0,001 Prozent in Produkten, die auf der Haut bleiben. Für neu in Verkehr gebrachte Ware ist die Übergangsfrist am 31. Juli 2026 abgelaufen, für Bestände im Handel läuft sie bis zum 31. Juli 2028. Ein Flakon aus einem Nicht-EU-Shop kann diese Angaben schlicht nicht tragen, weil sie dort nie verlangt wurden. Für Menschen mit bekannter Duftstoffallergie ist das der praktische Nachteil des Direktimports: Die Information, die man zum Vergleich bräuchte, steht nicht auf dem Etikett.
Der Sonderfall Geschenk
Von alldem zu trennen sind Sendungen von Privatperson an Privatperson ohne Gegenleistung. Für sie gilt eine eigene Wertgrenze von 45 Euro, bis zu der weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer anfallen. Für verbrauchsteuerpflichtige Waren nennt der Zoll dabei zusätzliche Mengengrenzen; bei Duft sind es 50 Gramm Parfüm oder 0,25 Liter Eau de Toilette. Wird die Wertgrenze bei einer unteilbaren Ware überschritten, werden die Abgaben vom vollen Wert erhoben, nicht nur vom übersteigenden Teil.
Diese Regel deckt das Geschenk von Verwandten aus Übersee ab, nicht die eigene Bestellung. Wer einen Shop bittet, das Paket als Geschenk zu deklarieren, verlangt eine falsche Zollanmeldung – mit dem Risiko, dass die Sendung geöffnet, nachbewertet und mit Verspätung zugestellt wird, und mit dem Bußgeldrisiko beim Empfänger.
Offen bleibt, wie sich das Feld anpasst. Die 3-Euro-Pauschale ist eine Zwischenlösung bis 2028, und für November 2026 steht eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen zur Entscheidung an. Ob britische Anbieter darauf mit einem EU-Lager antworten, wie es Fiore und Epris längst tun, oder ob sie den Aufschlag beim Kunden lassen, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Bis dahin ist der Versandort die wichtigste Zahl auf der Produktseite – wichtiger als der Milliliterpreis, mit dem geworben wird.
Quellen
- Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze · Zoll online, Generalzolldirektion · abgerufen am 14. August 2026
- EU applies €3 customs duty per item on low-value e-commerce consignments · Access2Markets, Europäische Kommission · abgerufen am 14. August 2026
- Privatsendungen – außertarifliche Zollbefreiung · Zoll online, Generalzolldirektion · abgerufen am 14. August 2026
- DHL erhöht Gebühren für die Zollbearbeitung · Onlinehändler News, Händlerbund · abgerufen am 14. August 2026
- Verordnung (EU) 2023/1545 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung von Duftstoffallergenen · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der EU · abgerufen am 14. August 2026
- Shipping Policy · The Dua Brand · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.