Grundlagen

EdT, EdP, Extrait: Was die Konzentration wirklich bedeutet

Der Ölanteil erklärt weniger, als man denkt. Warum ein EdT stärker riechen kann als ein EdP desselben Hauses.

von DupeVergleich · · 9 Min Lesezeit

Die Faustregel steht in jedem Shop: Eau de Cologne wenig Öl, Eau de Toilette etwas mehr, Eau de Parfum noch mehr, Extrait am meisten. Daraus wird dann eine zweite Regel abgeleitet, die niemand ausspricht, aber jeder mitkauft – mehr Öl heißt länger haltbar, stärker, besser. Der Aufpreis für die höhere Stufe wird damit begründet.

Wir haben in unserer Datenbank 653 Originale mit einer ausgewiesenen Konzentrationsangabe. Darunter sind 37 Düfte, die es sowohl als Eau de Toilette als auch als Eau de Parfum gibt – gleiches Haus, gleicher Name, zwei Stufen. Das ist der einzig saubere Vergleich, den es gibt, weil alles andere gleich bleibt. Bei fünf dieser 37 Paare hält die schwächere Stufe laut Community-Wertung genauso lange oder länger als die stärkere. Bei zehn Paaren ist das Eau de Toilette insgesamt besser bewertet.

Ein Hinweis vorweg, der für alle Zahlen in diesem Text gilt: Wertungen für Haltbarkeit, Sillage und Gesamteindruck sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labormessungen. Sie sagen, wie ein Duft ankommt, nicht wie viele Stunden er messbar auf der Haut bleibt. Bei mehreren tausend Stimmen pro Flakon sind sie trotzdem das Belastbarste, was öffentlich verfügbar ist.

Was die Prozentzahlen sagen – und was nicht

Die gängigen Spannen liegen bei etwa 3 bis 5 Prozent Duftöl für Eau de Cologne, 6 bis 9 Prozent für Eau de Toilette, 10 bis 14 Prozent für Eau de Parfum und 15 bis 30 Prozent für Extrait. Der Rest ist im Wesentlichen Ethanol, oft über 80 Prozent, plus destilliertes Wasser. So weit die Konvention.

Verbindlich ist davon nichts. Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 definiert in Artikel 2 neunzehn Begriffe – kosmetisches Mittel, Stoff, Gemisch, Konservierungsstoffe, UV-Filter, Nanomaterial und so weiter. „Eau de Toilette“ oder „Eau de Parfum“ ist keiner davon. Die Bezeichnungen sind Marketingkategorien der Häuser, keine Rechtsbegriffe mit hinterlegtem Grenzwert. Ein Haus kann ein Konzentrat mit 12 Prozent Öl als Eau de Toilette verkaufen und eines mit 11 Prozent als Eau de Parfum, ohne gegen irgendetwas zu verstoßen.

Wie unscharf das in der Praxis wird, zeigt schon die Beschriftung. Unter unseren 653 Einträgen mit Konzentrationsangabe stehen 28 verschiedene Bezeichnungen: neben den vier Klassikern auch Eau de Parfum Intense, Eau de Toilette Concentrée, Absolu de Parfum, Esprit de Parfum, Eau de Parfum Suprême. Keine davon ist irgendwo definiert. Sie ordnen den Preis, nicht die Rezeptur.

Und der Ölanteil allein sagt ohnehin nur, wie viel Konzentrat im Alkohol schwimmt – nicht, woraus dieses Konzentrat besteht. Zehn Prozent eines Zitrus-Akkords aus flüchtigen Molekülen verschwinden schneller als fünf Prozent einer Basis aus Ambroxan, Iso E Super und Moschus. Wer nach acht Stunden noch etwas riechen will, kauft nicht Prozente, sondern Materialklassen.

Der Sprung von EdT zu EdP, in Zahlen

Über die 37 direkt vergleichbaren Paare liegt das Eau de Parfum bei der Haltbarkeitswertung im Schnitt 0,36 Punkte über dem Eau de Toilette – auf einer Skala bis 10. Der Effekt ist real und geht in die erwartete Richtung, aber er ist klein. In 32 von 37 Fällen liegt das EdP vorn, in fünf Fällen nicht. Bei der Sillage, also der Duftwolke, dreht sich das Verhältnis bei sieben von 37 Paaren um.

DuftStufeWertungStimmenHaltbarkeitSillage
Narciso Rodriguez For HerEau de Toilette7,81.8097,97,4
Narciso Rodriguez For HerEau de Parfum7,59067,77,1
Joop! HommeEau de Toilette6,83.5268,58,3
Joop! HommeEau de Parfum7,79078,28,0
YSL La Nuit de L'HommeEau de Toilette8,45.2226,56,5
YSL La Nuit de L'HommeEau de Parfum7,85317,67,2

Narciso Rodriguez For Her ist der klarste Fall: Das Eau de Toilette liegt bei Gesamtwertung, Haltbarkeit und Sillage vor dem Eau de Parfum, und das bei doppelt so vielen Stimmen. Joop! Homme zeigt eine andere Variante – das Eau de Toilette von 1989 wird schlechter bewertet als das Eau de Parfum von 2021, hält laut Wertung aber länger und trägt weiter. Wer hier zur höheren Konzentration greift, kauft nicht mehr Präsenz, sondern eine andere Interpretation.

La Nuit de L'Homme ist der Fall, in dem beide Lager recht haben. Das Eau de Parfum hält deutlich länger, 7,6 gegen 6,5, und trägt weiter. Trotzdem liegt das Eau de Toilette in der Gesamtwertung 0,6 Punkte vorn, bei fast dem Zehnfachen an Stimmen. Länger heißt nicht beliebter, wenn der Charakter dabei kippt.

Warum die stärkere Stufe anders riecht

Die stille Annahme hinter der Konzentrationsleiter lautet: gleicher Saft, nur weniger Alkohol. Das stimmt selten. Unsere Paare liegen im Schnitt 10,1 Jahre auseinander – bei 25 von 33 datierten Paaren kam das Eau de Parfum später, oft ein Jahrzehnt später. Sauvage: EdT 2015, EdP 2018. La Nuit de L'Homme: EdT 2009, EdP 2019. Joop! Homme: EdT 1989, EdP 2021. Das sind keine Verdünnungsstufen einer Formel, das sind neue Briefings an ein Kreativteam, Jahre nach dem Original, für einen inzwischen anderen Markt.

Dazu kommt ein regulatorischer Grund, der oft übersehen wird. Die IFRA-Standards begrenzen einzelne Riechstoffe nicht im Konzentrat, sondern als Höchstkonzentration im fertigen Verbraucherprodukt – also in dem, was im Flakon steht, alles eingerechnet. Wer den Ölanteil von 8 auf 14 Prozent hebt, hebt damit auch den Anteil jedes einzelnen Materials im Endprodukt. Materialien, die im Eau de Toilette unter dem Grenzwert lagen, tun das im Eau de Parfum nicht mehr. Sie müssen zurückgefahren oder ersetzt werden, und die Formel verschiebt sich.

Derselbe Mechanismus gilt für die Kennzeichnung. Seit der Verordnung (EU) 2023/1545 müssen über 80 Duftstoffallergene einzeln auf der Verpackung stehen, sobald sie in Leave-on-Produkten – dazu zählt Parfüm – über 0,001 Prozent liegen; vorher waren es 24 Stoffe. Neu in Verkehr gebrachte Produkte müssen das ab dem 31. Juli 2026 erfüllen. Auch diese Schwelle bezieht sich auf das Endprodukt: Eine höhere Konzentration schiebt Bestandteile über die Grenze, die vorher darunter lagen. Kein Sicherheitsproblem, sondern eine Rechenaufgabe – aber eine, die Rezepturen verändert.

Was die höhere Stufe kostet

Über alle Originale mit Preisangabe in unserer Datenbank steigt der Preis pro Milliliter mit jeder Stufe – und zwar erheblich stärker als die Wertung. Eau de Cologne liegt im Schnitt bei 0,76 Euro pro Milliliter, Eau de Toilette bei 1,13, Eau de Parfum bei 2,08, Extrait de Parfum bei 4,08 und die als „Parfum“ ausgewiesenen Flakons bei 8,63 Euro. Vom Eau de Toilette zum Parfum ist das Faktor 7,6 beim Preis. Bei der durchschnittlichen Gesamtwertung liegen zwischen diesen beiden Gruppen 0,6 Punkte – 7,77 gegen 8,38.

Dieser Durchschnitt vergleicht allerdings verschiedene Düfte miteinander, und teure Nischenhäuser stellen mehr Extraits her als Drogeriemarken. Aussagekräftiger ist wieder der Aufpreis innerhalb desselben Dufts. Der reicht von 16 Prozent bei Chanel Coco Mademoiselle über 40 Prozent bei Joop! Homme bis zu 73 Prozent bei Guerlain Insolence – für dieselbe Flaschengröße, dasselbe Haus, denselben Namen.

DuftEdT (€/ml)EdP (€/ml)Aufpreis
Guerlain Insolence0,951,64+73 %
Chanel Sycomore1,873,00+61 %
Joop! Homme0,650,91+40 %
Chanel N°51,621,89+17 %
Chanel Coco Mademoiselle1,591,85+16 %

Bei Joop! Homme heißt das konkret: 40 Prozent Aufpreis für eine Version, die in der Community-Wertung kürzer hält und weniger weit trägt als die günstigere. Das ist kein Betrug, es ist eine andere Komposition – aber es ist eben auch nicht das, was die Stufenlogik verspricht.

Nach oben wird das Verhältnis nicht besser. Baccarat Rouge 540 kostet als Eau de Parfum 265 Euro für 70 ml, als Extrait de Parfum 375 Euro – 41 Prozent mehr. Die Haltbarkeitswertung steigt dabei von 8,7 auf 9,0, die Gesamtwertung von 7,7 auf 8,2. Über alle 20 Paare aus Eau de Parfum und Extrait beziehungsweise Parfum in unserer Datenbank hält die höhere Stufe in 19 Fällen länger, im Schnitt um 0,35 Punkte. Der Schritt zum Extrait ist also verlässlicher als der von EdT zu EdP – nur eben teuer erkauft.

Bei Dupes existiert die Leiter nicht

Interessant wird es, wenn man die Konzentrationsstufe des Originals gegen den Preis der zugehörigen Dupes hält. Beim Original steigt der Milliliterpreis über die Stufen von 114 auf 637 Cent, also um mehr als das Fünffache. Bei den Dupes zu genau diesen Originalen bewegt sich der Milliliterpreis kaum: von 55 Cent bei Eau-de-Toilette-Vorlagen auf 79 Cent bei Extrait-Vorlagen. Alle Dupe-Preise stammen aus der günstigsten regulären Größe ab 20 ml, Proben sind ausgenommen.

Konzentration des OriginalsOriginal (ct/ml)Dupes (ct/ml)Anzahl Dupes
Eau de Toilette11455319
Eau de Parfum25565897
Extrait de Parfum4407960
Parfum6376836

Wären die höheren Stufen im Wesentlichen eine Rohstofffrage, müssten Dupes zu Extraits deutlich teurer sein als Dupes zu Eaux de Toilette. Sie sind es kaum. Zu Baccarat Rouge 540 Extrait führen wir acht Dupes, der günstigste liegt bei 27 Cent pro Milliliter – gegen 536 Cent beim Original.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass ein Dupe für 27 Cent pro Milliliter dasselbe leistet. Wo Dupes gegenüber dem Original abfallen, tun sie das meist bei Haltbarkeit und Verlauf, und die Ähnlichkeitswerte auf unseren Seiten sind Markenquerschnitte, keine Messung am einzelnen Flakon. Der Punkt ist ein anderer: Der Aufschlag, den ein Haus für die höhere Konzentration nimmt, folgt keiner Materialkostenlogik, die sich in der Dupe-Welt wiederfinden ließe.

La Nuit de L'Homme als Eau de Toilette – Wertungen, Noten und Dupes ab 24 Cent pro Milliliter

Wie man die Angabe praktisch benutzt

Die Konzentration ist kein wertloser Hinweis, nur ein schwächerer, als der Preisunterschied nahelegt. Als Grobsortierung taugt sie: Ein Eau de Cologne ist für den Hochsommer gedacht und für Menschen, die mehrmals am Tag nachlegen; ein Extrait für den Abend und für sparsames Auftragen. In unseren Daten liegt die Haltbarkeitswertung von Eau de Cologne bei 6,7 und die von Parfum bei 8,4 – die Enden der Skala unterscheiden sich deutlich, die Mitte kaum.

  • Innerhalb eines Dufts die Wertungen beider Stufen vergleichen, nicht die Bezeichnung – bei fünf von 37 Paaren hält das EdT genauso lange oder länger.
  • Auf das Erscheinungsjahr achten: Liegen zehn Jahre zwischen den Stufen, ist es eher eine Neuinterpretation als eine Verstärkung.
  • Aufpreis pro Milliliter rechnen, nicht pro Flakon. Die Stufen werden oft in unterschiedlichen Größen verkauft.
  • Vor dem Kauf der teureren Stufe eine Probe nehmen. Der Unterschied liegt im Charakter, und den kann keine Prozentangabe vorhersagen.

Bleibt ein Punkt, an dem unsere Daten nichts hergeben. Von 4.308 Originalen in der Datenbank haben nur 653 überhaupt eine Konzentrationsangabe – bei rund 85 Prozent steht schlicht nichts. Was ein Haus tatsächlich an Öl in eine bestimmte Charge gibt, veröffentlicht kein Hersteller, und in keiner öffentlichen Quelle steht der reale Prozentwert eines konkreten Flakons. Wer Ihnen sagt, dieses Eau de Parfum enthalte 15 Prozent Duftöl, hat es aus einer Tabelle abgeschrieben, nicht gemessen. Die Wertung von 5.222 Käufern ist eine schwache Datenquelle – die Zahl auf dem Etikett ist gar keine.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 2 (Begriffsbestimmungen) · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · abgerufen am 14. August 2026
  2. Verordnung (EU) 2023/1545 zur Kennzeichnung von Duftstoffallergenen in kosmetischen Mitteln · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · abgerufen am 14. August 2026
  3. Using the Standards · International Fragrance Association (IFRA) · abgerufen am 14. August 2026
  4. Kennzeichnung von Duftstoffen in Kosmetik · IKW – Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. · abgerufen am 14. August 2026
  5. Parfüm – Konzentrationsstufen und Zusammensetzung · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026

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