Düfte im Porträt

Byredo Black Saffron: Welcher Dupe kommt wirklich heran?

Was Byredo Black Saffron ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.

von DupeVergleich · · 9 Min Lesezeit

Bei Black Saffron ist die Dupe-Frage eine andere als bei den Dauerbrennern der Marke. Byredo führt den Duft nicht mehr im Katalog: Am 14. August 2026 stehen auf der Parfümseite des Herstellers acht Eaux de Parfum – Future Memories, Bal d'Afrique, Mojave Ghost, Blanche, Rose of No Man's Land, Gypsy Water, Alto Astral und Animalique –, alle zu 170 Euro für 50 Milliliter. Black Saffron ist nicht darunter. Wer ihn will, kauft ihn also ohnehin nicht mehr beim Hersteller, sondern auf dem Restbestandsmarkt oder als Nachbau.

Das verschiebt den Maßstab. Ein Dupe misst sich sonst an einem Flakon, den man jederzeit danebenstellen könnte. Hier misst er sich an einer Erinnerung und an dem, was Dritte über die Rezeptur aufgeschrieben haben. Entsprechend ehrlich muss der Artikel mit dem umgehen, was wir haben – und das ist bei diesem Eintrag weniger als üblich.

Unser Datensatz zu Black Saffron ist eine Karteileiche mit zwei Zeigern: Marke, Name, Preisniveau, zwei zugeordnete Dupes. Keine Wertung, keine Stimmenzahl, keine Duftnoten, kein Erscheinungsjahr, keine Konzentration, kein Parfümeur. Der Eintrag ist überhaupt nur entstanden, weil ein Dupe-Shop ihn als Vorlage nennt. Was folgt, arbeitet deshalb mit den Shop-Daten und mit dem, was sich unabhängig belegen lässt.

Was der Preis sagt – und was er nicht sagt

Wir führen 170 Euro für 50 Milliliter, also 340 Cent pro Milliliter. Diese Zahl ist eine Ableitung, keine Beobachtung: Sie ist der Einheitspreis der Byredo-Eau-de-Parfum-Linie, belegt über die Herstellerseite am 3. August 2026, und wurde auf Black Saffron übertragen, weil der Duft dort keine eigene Preisangabe mehr hat. Als Größenordnung ist das belastbar – alle acht aktuell gelisteten Eaux de Parfum stehen bei exakt diesem Preis. Als Marktpreis für einen abverkauften Flakon ist es das nicht: Was Restbestände und Wiederverkäufer verlangen, erfassen wir nicht.

Eine Wertung liegt uns nicht vor. Von 4308 erfassten Originalen tragen 1490 überhaupt eine, Black Saffron gehört nicht dazu. Wir tragen keine nach. Zur Einordnung des Hauses: Sechs Byredo-Einträge haben bei uns eine Duftwertung – Bal d'Afrique 8,1 aus 2846 Stimmen, Rose of No Man's Land 7,8 aus 656, La Tulipe 7,8 aus 660, Mojave Ghost 7,7 aus 1273, Gypsy Water 7,7 aus 1437, Blanche 7,1 aus 1116. Das sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten; diese Einschränkung gilt für jede Bewertungszahl in diesem Text. Über Black Saffron sagen sie nichts, sie zeigen nur, in welchem Band sich die Marke bewegt.

Zwei Dupes sind für unsere Verhältnisse unauffällig, nicht wenig: 3601 Originale haben bei uns überhaupt einen Zwilling, im Schnitt 1,89 Stück, und 2978 davon kommen auf höchstens zwei. Über die ganze Marke hinweg sind es 44 Byredo-Einträge mit zusammen 83 Dupes. Ein abgekündigter Duft mit zwei Nachbauten ist damit kein Nischenfall, aber auch kein Massenphänomen wie Bal d'Afrique mit acht.

Das Duftbild kommt von den Shops, nicht von uns

Weil unsere Notenliste leer ist, bleibt nur, was die beiden Anbieter selbst schreiben – und da wird es interessant, weil sie unabhängig voneinander sehr ähnlich beschreiben. Perfume Parlour nennt zu Noir Spice - 1355 einen Duft von 2012, unisex, orientalisch-würzig, mit Grapefruit, Wacholderbeeren und Safran im Kopf, schwarzem Veilchen und Leder im Herz sowie Cashmeran, Vetiver und Himbeere in der Basis. Maison Afford listet zu Amber Thorn: Safran, Wacholderbeere, Pomelo, Leder, Rose, schwarzes Veilchen, Himbeere, helle Hölzer, Vetiver.

Die Schnittmenge ist groß: Safran, Wacholder, Leder, schwarzes Veilchen, Himbeere, Vetiver und je eine Zitrusnote im Kopf stehen auf beiden Listen. Abweichungen gibt es an den Rändern – Perfume Parlour nennt Cashmeran, einen synthetischen Riechstoff mit holzig-würzigem, moschusartigem Charakter, Maison Afford stattdessen Rose und „helle Hölzer“. Zwei Shops, die dasselbe Original nachbauen und weitgehend dieselben Bausteine angeben, sind ein brauchbares Indiz für das Duftgerüst. Ein Beleg für die Originalrezeptur sind sie nicht: Beide beschreiben ihr eigenes Produkt, nicht das von Byredo. Auch das Jahr 2012 steht nur in der Shop-Beschreibung; wir haben es nicht in der Datenbank und haben es nicht gegengeprüft.

Beim Safran selbst lohnt der Blick auf die Rohstofflage, weil sie erklärt, warum ein Nachbau hier weniger Abstand hat, als der Name vermuten lässt. Der Geruch des Gewürzs geht im Wesentlichen auf Safranal zurück, ein Abbauprodukt, das beim Trocknen aus dem Bitterstoff Picrocrocin entsteht. Das Gewürz ist das teuerste der Welt: Für ein Kilogramm braucht es rund 150.000 handgepflückte Blüten und etwa 40 Arbeitsstunden allein für die Ernte, Premiumware liegt regelmäßig über 5000 US-Dollar je Kilogramm. Ein Parfüm zu 170 Euro trägt das nicht in nennenswerter Menge. Ob und wie viel echten Safranextrakt Byredo verwendet hat, legt die Marke nicht offen – nachvollziehbar ist nur, dass die Safranfacette in der Parfümerie üblicherweise über Riechstoffe gebaut wird, die jedem Hersteller offenstehen. Genau das macht sie nachbaubar.

Zwei Dupes, nach Preis pro Milliliter

Wir rechnen auf den Preis pro Milliliter der günstigsten regulären Größe ab 20 Millilitern; Duftproben zählen nicht mit. Die Nähe ist ein Prozentwert des Anbieters, kein Messwert für den einzelnen Flakon – dazu unten mehr. Stand der Shop-Daten ist der 8. August 2026.

AnbieterDupeGröße / PreisCent pro mlNäheBewertung
Maison AffordAmber Thorn56 ml / 29,90 €53,497 %–
Perfume ParlourNoir Spice - 135560 ml / 40,87 €68,189 %4,9 (15)

Maison Afford ist der günstigere Eintrag: 53,4 Cent pro Milliliter, knapp ein Sechstel des Originalniveaus von 340 Cent. Im Gesamtfeld von 6316 Dupe-Einträgen mit regulärem Preis ist das solide, aber kein Ausreißer nach unten – 2109 Einträge sind gleich teuer oder günstiger. Der Shop sitzt in Deutschland und liefert von dort, innerhalb Deutschlands für 4,99 Euro und ab 50 Euro Bestellwert kostenfrei. Der Flakon kostet 29,90 Euro und reißt die Grenze allein nicht: Wer nur ihn bestellt, zahlt 34,89 Euro, und damit steigt der echte Milliliterpreis auf 62,3 Cent. Das ist ziemlich genau der Median des gesamten Dupe-Feldes von 62,3 Cent.

Perfume Parlour steht bei 68,1 Cent, rund einem Fünftel des Originalniveaus, und ist damit im Feld eher im oberen Mittel: 4015 der 6316 Einträge sind gleich teuer oder günstiger. Dafür ist es der einzige der beiden mit einer Käuferbewertung – 4,9 von 5 aus 15 Stimmen, Stand 5. August 2026. Fünfzehn Stimmen sind keine breite Basis, aber sie sind mehr als nichts, und genau das ist die Schwäche des günstigeren Kandidaten: Zu Amber Thorn liegt uns keine einzige Bewertung vor.

Die 40,87 Euro sind der Preis für 60 Milliliter Extrait. Der Shop verkauft denselben Duft in deutlich mehr Fassungen, als bei uns hinterlegt sind: Eau de Parfum in 30, 50 und 100 Millilitern – die 100-Milliliter-Flasche zu 32,00 Pfund und damit günstiger als der 60-Milliliter-Extrait zu 35,00 Pfund –, dazu Roll-ons, Duftöle, Kerzen, Diffuser und Körperpflege. Bei Perfume Parlour speichern wir im Schnitt nur 1,08 Varianten je Dupe; die Alternativen laufen in unserem Milliliterpreis nicht mit. Wer dort kauft, sollte die Formatliste selbst durchgehen – welche Fassung „am günstigsten“ ist, hängt davon ab, ob man Eau de Parfum oder Extrait vergleicht, und das sind unterschiedlich starke Produkte.

Der zweite Punkt gegen den Milliliterpreis aus Großbritannien ist der Versandweg. Perfume Parlour liefert aus dem Vereinigten Königreich, versandkostenfrei nach Europa erst ab 100 Pfund Bestellwert, und schreibt auf der eigenen Versandseite ausdrücklich, dass Steuern und Abgaben Sache des Kunden sind und der Shop dafür nicht haftet. Das ist eine Drittlandseinfuhr: Einfuhrumsatzsteuer fällt an, je nach Warenwert kommt Zoll dazu. Die 40,87 Euro sind der ausgewiesene, nicht der gezahlte Preis. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten ist real größer, als die Tabelle zeigt.

Wo die Zahlen unscharf werden

Die Nähe ist ein Markenquerschnitt, kein Laborwert für diesen Flakon: Sie sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt. Maison Afford liegt bei uns in der Spanne 95 bis 98 Prozent und bekommt für Amber Thorn 97, Perfume Parlour in der Spanne 88 bis 90 und bekommt für Noir Spice 89. Wer daraus liest, dass ausgerechnet dieser eine Nachbau acht Punkte näher am Original ist, überinterpretiert die Zahl. Belastbar ist die schwächere Aussage: Der eine Anbieter arbeitet im Mittel höher konzentriert als der andere.

Dasselbe gilt für Haltbarkeit und Intensität, die auf der Duftseite als Kurve erscheinen. Das sind redaktionelle Einschätzungen relativ zum Original mit 100 Prozent, keine Messung. Amber Thorn steht bei 114 Prozent Haltbarkeit und 110 Prozent Intensität, Noir Spice bei 87 und 88 Prozent. Passend dazu deklariert Maison Afford das Produkt als Extrait de Parfum mit 25 Prozent Duftölanteil und wirbt mit „besonders starker Haltbarkeit & Sillage“ – Sillage ist die Duftspur, also wie weit ein Duft im Raum wahrgenommen wird. Diese Angabe ist eine Herstellerangabe, die wir nicht nachprüfen können. Perfume Parlour verkauft die von uns erfasste Fassung ebenfalls als Extrait, nennt aber keinen Prozentsatz.

Die Zuordnung selbst ist bei beiden gut belegt, aber unterschiedlich fest formuliert. Beide Shops nennen Byredo Black Saffron von sich aus als Vorlage, in unseren Daten als exakte Zuordnung geführt, ohne Unsicherheitsmarkierung. Maison Afford formuliert allerdings vorsichtig, der Duft „geht in die Richtung wie Black Saffron“ – das ist eine Richtungsangabe, keine Gleichsetzung, und der Shop hat sie sich selbst so gewählt. Nachgerochen hat das niemand von uns.

Beide Duftzwillinge zu Byredo Black Saffron mit Preis je Milliliter, Nähe und Haltbarkeitskurve →

Bleibt die Frage, wie man das prüft, wenn das Original nicht mehr im Regal steht. Ein Abgleich am Teststreifen scheidet für die meisten aus. Was geht, ist der Weg über kleine Mengen: Perfume Parlour führt den Duft auch als 2-Milliliter-Tester zu 3,00 Pfund und als Roll-on ab 4,50 Pfund. Auf den Milliliter gerechnet ist das ein Vielfaches des Flakonpreises, als Kaufentscheidung aber die günstigere Variante – erst recht bei einem Duft, dessen Vorlage man nicht mehr nachkaufen kann und dessen Beschreibung aus zweiter Hand stammt.

Drei Lücken bleiben offen und lassen sich mit unseren Daten nicht schließen. Erstens der Parfümeur: Weder unsere Datenbank noch eine erreichbare Herstellerseite nennt einen, und ohne Beleg tragen wir keinen Namen nach. Zweitens die Konzentration des Originals – ob Black Saffron als Eau de Parfum geführt wurde, steht bei uns nicht, und die Produktseite ist offline; ein Extrait-Nachbau kann also stärker sein als die Vorlage, ohne dass sich sagen ließe, um wie viel. Drittens die Bewertungsbasis: eine Zahl aus fünfzehn Stimmen auf der einen Seite, gar keine auf der anderen. Wer hier eine klare Empfehlung erwartet, bekommt sie von uns nicht.

Quellen

  1. Parfum – Eau de Parfum Übersicht (Preisniveau der Linie, Black Saffron nicht gelistet) · Byredo · abgerufen am 14. August 2026
  2. Saffron (Safranal, Picrocrocin, Ernteaufwand und Preis) · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  3. Amber Thorn (Duftnoten, Extrait de Parfum, 25 Prozent Duftölanteil, Preis) · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
  4. Versandbedingungen (4,99 Euro innerhalb Deutschlands, versandkostenfrei ab 50 Euro) · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
  5. Noir Spice - 1355 (Duftbeschreibung, Jahresangabe, Fassungen und Preise) · Perfume Parlour · abgerufen am 14. August 2026
  6. Postage Costs (versandkostenfrei nach Europa ab 100 Pfund, Abgaben zulasten des Kunden) · Perfume Parlour · abgerufen am 14. August 2026

Über DupeVergleich

Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion

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