Casamorati Dolce Amalfi: Welcher Dupe kommt wirklich heran?
Was Casamorati Dolce Amalfi ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.
von DupeVergleich · · 9 Min Lesezeit
Dolce Amalfi ist 2017 erschienen, ein Eau de Parfum, bei uns als Unisex geführt. Casamorati ist keine eigenständige Firma, sondern eine Linie von Xerjoff aus Turin, das Sergio Momo 2007 gegründet hat – Momo war vorher Maler und Designer und hat 2005 in Grasse Parfümerie studiert. Xerjoff beschreibt Casamorati als wiederbelebtes italienisches Parfümhaus aus der Zeit des Art nouveau. Als Parfümeur ist bei uns Miroslav Petkov hinterlegt. Der Duft steht bei 8,1 von 10 aus 1499 Stimmen. Zur Einordnung: Von 4308 erfassten Originalen tragen 1490 überhaupt eine Wertung, 610 davon liegen bei 8,1 oder darüber, und 265 kommen auf 1499 Stimmen oder mehr.
Unser Datensatz führt 270 Euro für 100 Milliliter, also 270 Cent pro Milliliter; Beleg ist die Casamorati-Markenseite bei Douglas mit Stand 3. August 2026, wo die ganze Linie einheitlich zu diesem Preis steht. Xerjoff selbst bietet Dolce Amalfi im eigenen Shop in 100 und in 30 Millilitern an. Ein Duftzwilling steht bei uns unter diesem Eintrag in den Büchern – das ist der Normalfall und kein Sonderfall: Von 3601 Originalen mit mindestens einem Nachbau haben 2426 genau einen.
Eine Eigenheit vorweg, sonst gehen die Zahlen weiter unten nicht auf. Der Duft liegt bei uns in zwei Einträgen. Der eine stammt aus dem Duftkatalog und trägt die Community-Wertungen und die Duftrichtungen; der zweite ist entstanden, weil ein Dupe-Shop sein Original als „Casamorati - Dolce Amalfi“ führt. Ein anderer Shop nennt denselben Duft „Xerjoff Casamorati 1888 Dolce Amalfi“. Gemeint ist jedes Mal dieselbe Flasche, und zusammengenommen sind es zwei Nachbauten, nicht einer. Wer sucht, sollte alle drei Schreibweisen probieren.
Quitte, Nelke und Vanille auf Höchstgewicht
Duftnoten werden bei uns gewichtet erfasst, von 1 bis 5, je nachdem wie stark eine Note die Komposition prägt. Im Kopf steht Quitte mit dem Höchstgewicht 5, dahinter Apfel mit 4, Kardamom mit 3 und Safran mit 2. Das Herz tragen Gewürznelke mit 5, Tolubalsam mit 4 und Weihrauch mit 3. In der Basis liegen Vanille mit 5, Moschus mit 4, Tonkabohne mit 3, Amber mit 2 und Zedernholz mit 1. Die Duftrichtungen verteilen sich anders, als der Vanillesockel vermuten lässt: Fruchtig, Süß und Würzig liegen gleichauf beim Höchstgewicht 3, Gourmand und Cremig nur bei 1.
Quitte ist der Auftakt und die ungewöhnlichste Stelle. Die Frucht, botanisch Cydonia oblonga, stammt aus den hyrkanischen Wäldern südlich des Kaspischen Meeres im heutigen Iran und ist von dort nach Anatolien, Afghanistan und Syrien gewandert. Die meisten Sorten sind roh zu hart und zu herb zum Essen; erst langes Kochen mit Zucker macht sie weich. Genau diese Doppelnatur – intensiver Duft bei adstringierendem Biss – ist der Grund, warum sich Quitte als Kopfnote fruchtig liest, ohne süß zu wirken. Größter Erzeuger war 2023 die Türkei mit gut 192.000 Tonnen, vor China, Usbekistan, Iran und Marokko.
Im Herzen sitzt die Gewürznelke, ebenfalls auf 5, und sie ist der Grund, warum der Duft nicht als Fruchtdessert durchgeht. Ihr Hauptbestandteil ist Eugenol – in Nelkenknospenöl zu 80 bis 90 Prozent, in Nelkenblätteröl zu 82 bis 88 Prozent. Eugenol ist in der Parfümerie mengenmäßig beschränkt, weil ein Teil der Anwender darauf sensibilisiert reagiert; wie hoch dieses Risiko tatsächlich ist, ist fachlich umstritten. Für die Dupe-Frage ist das eine nützliche Einordnung: Die Obergrenze gilt für das Original genauso wie für jeden Nachbau. Kein Dupe-Hersteller kann die Nelke einfach höher dosieren, um näher heranzukommen.
Tolubalsam mit Gewicht 4 kennt kaum jemand, und er hält die Süße im Herzen zusammen. Gewonnen wird er aus Myroxylon balsamum, einem Baum aus Kolumbien, Peru und Venezuela: Man schneidet eine V-förmige Wunde in den Stamm und fängt das austretende Harz in einer Kalebasse auf. Der Balsam enthält Benzylbenzoat und Benzylcinnamat und riecht warm, weich und leicht würzig. Er ist zugleich ein bekannter Auslöser von Kontaktekzemen – wer auf Balsame reagiert, weiß das in der Regel und sollte vor dem Blindkauf testen, beim Original wie beim Nachbau. Am Rande: Das Lösungsmittel Toluol wurde 1841 aus diesem Balsam isoliert und danach benannt.
Vanille auf 5 in der Basis wäre die Stelle, an der ein Preisabstand entstehen könnte. Vanille ist nach Safran das teuerste Gewürz der Welt: Jede Blüte muss von Hand bestäubt werden, das anschließende Trocknen und Konditionieren ist heikel, und die Weltproduktion lag 2023 bei 7433 Tonnen, davon 42 Prozent aus Madagaskar und 25 Prozent aus Indonesien. Nur wird echte Vanille längst nicht überall eingesetzt, wo Vanille draufsteht: Rund 95 Prozent aller vanillearomatisierten Produkte arbeiten mit synthetischem Vanillin, das als Nebenprodukt der Papierherstellung aus Holzstoff gewonnen wird. Wie Xerjoff es bei Dolce Amalfi hält, legt das Haus nicht offen – die Rezeptur veröffentlicht niemand.
Was die Bewertungen sagen – und was nicht
Die folgenden Werte sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten. Bei rund 1000 bis 1500 Stimmen je Kategorie mitteln sich einzelne Ausreißer aber heraus, und interessant ist ohnehin weniger der einzelne Wert als der Abstand zwischen den Kategorien.
| Kategorie | Wert (von 10) | Stimmen |
|---|---|---|
| Flakon | 8,4 | 1.282 |
| Duft | 8,1 | 1.499 |
| Haltbarkeit | 8,1 | 1.353 |
| Sillage | 7,7 | 1.338 |
| Preis-Leistung | 7,0 | 974 |
Haltbarkeit und Duft liegen gleichauf, und beide liegen über dem Feld: Der Durchschnitt aller bewerteten Originale beträgt 7,73 bei der Haltbarkeit und 7,33 bei der Sillage – der Duftspur, also der Reichweite im Raum. Dolce Amalfi steht mit 8,1 und 7,7 in beiden Kategorien darüber. Innerhalb der eigenen Linie ist er damit gutes Mittelfeld: Beim Duft liegen Lira mit 8,5 sowie 1888 und Bouquet Ideale mit je 8,2 vorn, bei der Haltbarkeit 1888 und Italica mit je 8,4. Bei der Beteiligung steht Dolce Amalfi mit 1499 Stimmen an dritter Stelle der Linie, hinter Lira und Mefisto.
Der schwächste Wert ist die Preis-Leistung mit 7,0 aus 974 Stimmen – 1,1 Punkte unter der Duftnote. Der Durchschnitt aller 1490 bewerteten Originale liegt bei 7,27, und 610 Einträge stehen bei 7,0 oder darunter. Dolce Amalfi ist beim Verhältnis von Preis und Gegenwert also weder Ausreißer noch Schnäppchen, sondern leicht unterdurchschnittlich – bei 270 Euro für den Flakon genau der Punkt, an dem die Suche nach einem Nachbau anfängt.
Bemerkenswert ist der Spitzenwert: Mit 8,4 wird der Flakon besser bewertet als der Duft darin, und er liegt klar über dem Feldschnitt von 7,92. Der Flakon ist zugleich der einzige Teil, den kein Nachbau mitliefert. Wer Dolce Amalfi auch wegen der Flasche kauft, kauft am Dupe vorbei.
Zwei Nachbauten, 53 und 68 Cent je Milliliter
Alle Preise je Milliliter stammen aus unserer Preisansicht, die je Nachbau die günstigste reguläre Größe ab 20 Millilitern heranzieht – nicht die Probengröße, bei der der Milliliterpreis regelmäßig deutlich höher liegt.
| Anbieter | Name | Flakon | Je ml | Nähe | Haltbarkeit | Intensität |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Maison Afford | Sweet Riviera | 29,90 € / 56 ml | 53,4 ct | 97 % | 115 % | 105 % |
| Perfume Parlour | Andrea - 1720 | 40,87 € / 60 ml | 68,1 ct | kein Wert | 81 % | 77 % |
Bevor diese Zahlen jemand überbewertet: Die Nähe ist ein Markenquerschnitt, kein Messwert für den einzelnen Flakon. Sie sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt. Für Maison Afford liegt unsere Spanne bei 95 bis 98 Prozent, für Perfume Parlour bei 88 bis 90; zum Eintrag „Andrea - 1720“ ist bei uns kein Einzelwert hinterlegt, und wir tragen keinen nach. Auch die Prozentwerte für Haltbarkeit und Intensität sind redaktionelle Einschätzungen relativ zum Original, keine Messungen: 100 Prozent heißt „so lang wie das Original“, nicht „gut“.
Sweet Riviera kostet 29,90 Euro für 56 Milliliter, also 53,4 Cent je Milliliter und knapp ein Fünftel des Originalpreises. Maison Afford verkauft sein gesamtes Sortiment – 182 Einträge in unserem Datensatz – zu genau diesem einen Preis; eine kleinere Testgröße oder einen Mengenstaffelpreis gibt es nicht. Der Shop sitzt in Deutschland und versendet aus Deutschland, ab 50 Euro versandkostenfrei; die Konditionen haben wir am 5. August 2026 geprüft. Nach eigener Angabe des Shops handelt es sich um ein Extrait de Parfum mit 25 Prozent Duftanteil – das Original ist ein Eau de Parfum. Diesen Duftanteil können wir nicht unabhängig belegen, er steht so in der Produktbeschreibung.
Wenn die Angabe stimmt, liegt der Nachbau in der Konzentration über seiner Vorlage, und das erklärt unsere Einschätzung von 115 Prozent Haltbarkeit. Das ist der Höchstwert unserer Skala, und nur sechs von 5708 eingeschätzten Dupes erreichen ihn. Ein Qualitätsurteil ist das nicht, sondern eine Aussage über Dauer: länger heißt nicht besser. Wer ein Eau de Parfum erwartet und ein Extrait bekommt, bekommt einen dichteren, langsameren Duft, der schwerer wieder von der Haut geht – bei einer Nelken-Vanille-Kombination ist das manchen zu viel. Ein Sprüher statt drei ist hier der vernünftige Einstieg.
Der zweite Nachbau, „Andrea - 1720“ von Perfume Parlour, kostet 40,87 Euro für 60 Milliliter, also 68,1 Cent je Milliliter. Er ist damit gut ein Viertel teurer als Sweet Riviera und bei den geschätzten Leistungswerten deutlich schwächer: 81 Prozent Haltbarkeit und 77 Prozent Intensität heißen, dass er nach unserer Einschätzung merklich hinter dem Original zurückbleibt. Dazu kommt der Versandweg – Perfume Parlour sitzt in Großbritannien und versendet von dort, seit dem EU-Austritt also als Einfuhr, mit Einfuhrumsatzsteuer und möglichen Abgaben des Zolls beim Empfänger. Teurer, schwächer, umständlicher: Solange Sweet Riviera lieferbar ist, gibt es keinen Grund für diese Wahl.
Warum der Abstand hier fünffach ist
270 gegen 53,4 Cent je Milliliter – das ist Faktor fünf, und dieser Abstand ist bei Dolce Amalfi weniger überraschend, als er klingt. Bei Düften, deren Charakter an einem teuren Naturstoff hängt, bricht ein Nachbau genau dort ein: Iris, echtes Sandelholz oder Oud lassen sich nicht billig ersetzen, und wenn der Rohstoff die Komposition trägt, hört man den Unterschied sofort. Dolce Amalfi hat diesen Flaschenhals nicht. Quitte und Apfel stehen hier für einen Fruchteindruck, nicht für einen Rohstoff mit Weltmarktpreis; die Nelke ist über Eugenol beschreibbar, das aus Nelkenöl in hoher Reinheit vorliegt, und für Vanille greift die Industrie ganz überwiegend zu synthetischem Vanillin. Bei der Nelke setzt die Regulierung dem Original obendrein dieselbe Obergrenze wie dem Nachbau.
Was ein Nachbau trotzdem nicht mitbringt: den Flakon, ausgerechnet den bestbewerteten Teil dieses Dufts. Und der Preisabstand ist kein Beweis für Gleichheit. 97 Prozent Nähe ist ein Markenwert, kein Versprechen – was in den ersten Minuten passiert und wie der Duft nach sechs Stunden ausklingt, weicht ab.
Alle Duftzwillinge zu Casamorati Dolce Amalfi mit Preis je Milliliter, Nähe und Haltbarkeitskurve →
Ein einziger naher Nachbau ist eine dünne Auswahl, und sie kann sich ändern: Unsere Shop-Daten stammen vom 8. August 2026, Sortimente wechseln. Solange sie steht, ist die Rechnung aber einfach. Wer 29,90 Euro einsetzt, riskiert 29,90 Euro – bei einem Original für 270 Euro ist das die günstigste Art herauszufinden, ob man Quitte, Nelke und Vanille in dieser Kombination überhaupt tragen will.
Quellen
- Xerjoff · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Casamorati Collection · Xerjoff · abgerufen am 14. August 2026
- Quince · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Eugenol · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Tolu balsam · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Vanilla · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.