Clive Christian Matsukita: Welcher Dupe kommt wirklich heran?
Was Clive Christian Matsukita ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.
von DupeVergleich · · 10 Min Lesezeit
470 Euro für 50 Milliliter – das sind 9,40 Euro pro Milliliter oder 940 Cent. Ein Sprüher aus einem üblichen Zerstäuber liegt bei etwa einem Zehntel Milliliter, macht rund 94 Cent pro Zug. Wer Matsukita täglich tragen will, verbraucht damit jeden Morgen den Gegenwert eines Bäckerbrötchens, und das ist auch der Grund, warum die Frage nach einem Duftzwilling hier gestellt wird.
Matsukita gehört zur Crown Collection von Clive Christian, dem Teil des Sortiments, der sich auf die Herkunft des Hauses beruft. Der Hersteller datiert die Ursprungsformel auf 1892 und erzählt dazu von einer japanischen Prinzessin am viktorianischen Hof. Das ist Markenerzählung, keine belegte Quellenlage – nachprüfbar ist nur, was heute in der Flasche steckt: eine Neuformulierung, die der Hersteller mit 252 Zutaten und 25 Prozent Parfumkonzentration angibt und als Woody Chypre einordnet. In Großbritannien steht sie mit 400 Pfund für 50 Milliliter in der Preisliste. In unserer Datenbank ist der Duft mit dem Jahr 2021 geführt, also mit dem Datum der aktuellen Fassung, nicht dem der Legende.
Das Haus selbst ist jünger, als der Auftritt vermuten lässt. Clive Christian kaufte 1999 die 1872 gegründete Crown Perfumery Company, die zu diesem Zeitpunkt in Schwierigkeiten steckte, und baute die Marke unter seinem eigenen Namen neu auf. 2015 übernahm ein Investorenkonsortium die Mehrheit, 2019 ging das Geschäft an die Holding Nichebox. Der Preis ist damit eine Positionierungsentscheidung eines heutigen Eigentümers, kein durchgehendes Erbe aus dem 19. Jahrhundert.
Was im Flakon steckt
Wir führen elf Noten über drei Ebenen. Die Gewichtung bildet die Reihenfolge in der Duftpyramide ab: Was zuerst genannt wird, bekommt den höchsten Wert. Sie sagt also, wie prominent eine Note geführt wird – nicht, wie viel davon im Flakon ist.
| Ebene | Noten mit Gewichtung (1–5) |
|---|---|
| Kopf | Bergamotte (2), Muskat (2), rosa Pfeffer (2) |
| Herz | Mate (5), chinesischer Jasmin (4), Guajakholz (3), Jasmin-Sambac (2) |
| Basis | Balsamtanne Absolue (4), Hölzer (4), Amber (1), Moschus (1) |
Auffällig ist, dass die höchste Gewichtung nicht im Kopf liegt, sondern im Herzen: Mate steht mit 5 ganz vorn. Mate ist das südamerikanische Aufgussgetränk aus den Blättern von Ilex paraguariensis, ungesüßt ausgesprochen bitter, krautig und trocken. Der Hersteller stellt genau dieses Teeblatt zusammen mit Bergamotte und Eichenmoos als Kurzformel des Duftes heraus. Direkt daneben steht chinesischer Jasmin mit 4 – der Duft lebt von der Spannung zwischen einer bitteren, grünen Teeader und einer weißen Blüte, die von sich aus ins Cremige und leicht Fäkalische ziehen würde.
Die Basis wird bei uns von Balsamtanne Absolue und einer allgemeinen Holznote getragen, beide mit 4. Balsamtanne Absolue kommt aus den Nadeln und Zweigen von Abies balsamea und riecht harzig, grün und leicht süßlich – der Grund, warum unser Akkordprofil neben Würzig und Holzig auch Frisch und Rauchig führt. Amber und Moschus stehen mit je 1 am Ende der Liste; sie kleben den Rest zusammen, prägen ihn aber nicht.
Unsere Akkordwerte fassen das zusammen: Würzig und Holzig liegen mit je 3 Punkten vorn, Blumig, Frisch und Rauchig folgen mit je 2. Kein einzelner Akkord dominiert – das passt zu einem Chypre, der von Kontrast lebt und nicht von einer Leitnote. Geführt ist Matsukita bei uns als Unisex.
Eine Unstimmigkeit gehört benannt. Die offizielle Produktseite nennt in der Basis Amber, Moschus, Eichenmoos und holzige Untertöne – Eichenmoos steht bei uns nicht in der Liste, dafür Guajakholz, Jasmin-Sambac und Balsamtanne Absolue, die der Hersteller seinerseits nicht führt. Duftpyramiden sind Marketingmaterial, keine Rezepturen, und je nach Quelle fallen sie unterschiedlich aus. Für die Dupe-Suche ist das kein Randthema, denn genau an dieser Stelle gehen auch die Nachbauten auseinander.
Ein Chypre und die Sache mit dem Eichenmoos
Chypre ist eine Duftfamilie, die auf einem Kontrast aufbaut: frische Zitrusspitze oben, harzig-mossige Tiefe unten. Der Boden dieser Konstruktion war jahrzehntelang Eichenmoos, eine Flechte, deren Extrakt holzig, erdig und leicht ledrig riecht. Ein Duft, der 1892 als Chypre gebaut wurde, hätte davon reichlich enthalten.
Das geht heute so nicht mehr. Atranol und Chloratranol, zwei natürliche Bestandteile von Eichenmoos (Evernia prunastri) und Baummoos (Evernia furfuracea), sind in kosmetischen Mitteln in der EU verboten: Seit dem 23. August 2019 dürfen entsprechende Produkte nicht mehr in Verkehr gebracht, seit dem 23. August 2021 nicht mehr auf dem Markt bereitgestellt werden. Der zuständige wissenschaftliche Ausschuss hatte festgestellt, dass diese Stoffe unter allen allergenen Duftstoffen die meisten Kontaktallergien ausgelöst hatten. Die langen Übergangsfristen wurden ausdrücklich damit begründet, dass Neuformulierungen aufwendig sind und der Geruch sich dabei ändert.
Was heute als Eichenmoos in einer Notenliste steht, ist deshalb entweder ein gereinigtes Extrakt oder ein Nachbau aus anderen Materialien – beim Original genauso wie bei jedem Dupe, der in der EU verkauft wird. Wer Matsukita mit einem Chypre aus den achtziger Jahren vergleicht, vergleicht zwei Regulierungsepochen und sollte die Differenz nicht dem Nachbauer anlasten.
Wie er sich trägt
453 Menschen haben Matsukita bei uns bewertet, im Schnitt mit 8,2 von 10. Die Haltbarkeit liegt bei 8,0, die Sillage – also die Duftspur, die man im Raum zurücklässt – bei 7,6. Diese Werte sind Selbsteinschätzungen von Trägerinnen und Trägern, keine Labormessungen. Sie zeigen, worauf sich viele Nasen einigen, nicht wie lange ein Analyselabor noch etwas findet. Das gilt für alle Wertungen in diesem Artikel.
Interessanter als die Gesamtnote sind die beiden Ausreißer in den Unterwertungen. Der Flakon bekommt 8,8 und ist damit die bestbewertete Einzelkategorie überhaupt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt 5,5 – und ist die einzige Kategorie, die unter 7 liegt. Die Leute mögen den Duft und finden ihn zu teuer, deutlicher lässt sich ein Dupe-Bedarf kaum aus Zahlen ablesen.
8,0 Punkte Haltbarkeit sind solide, aber kein Ausreißer nach oben; die 7,6 bei der Sillage passen zu einem Duft, der eher als Wolke um den Träger steht, als eine Schneise durch den Raum zu ziehen. Für ein Extrait mit 25 Prozent Ölanteil ist beides unauffällig – der Konzentrationswert sagt etwas über die Dosierung, nicht über die Flüchtigkeit der Materialien, und Zitrus, Tee und Nadelharz sind keine Langläufer.
Die drei Duftzwillinge im Vergleich
Wir führen drei Dupes zu diesem Original. Der Preis pro Milliliter bezieht sich jeweils auf die günstigste reguläre Größe ab 20 Millilitern, Proben und Abfüllungen bleiben außen vor.
| Anbieter | Dupe | Größe / Preis | pro ml | Nähe |
|---|---|---|---|---|
| Maison Afford (Deutschland) | Kitanari | 56 ml / 29,90 € | 53,4 ct | 96 % |
| Perfume Parlour (Großbritannien) | Woodsy Jasmine – 2049 | 60 ml / 40,87 € | 68,1 ct | 90 % |
| The Dua Brand (USA, Kalifornien) | Japanese Princess | 34 ml / 31,26 € | 91,9 ct | 88 % |
Gegen 940 Cent pro Milliliter beim Original heißt das: Maison Afford kostet rund ein Achtzehntel, Perfume Parlour knapp ein Vierzehntel, The Dua Brand gut ein Zehntel. Der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Dupe ist Faktor 1,7 – eine große Spanne, die vor allem an der kleinen Flasche bei The Dua Brand hängt: 34 Milliliter für 31,26 Euro (ausgezeichnet mit 36 US-Dollar).
Die Nähe-Angabe braucht eine Einordnung, sonst wird sie falsch gelesen. Es ist ein Markenquerschnitt: Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt, nicht wie exakt dieser eine Flakon getroffen ist. Ein gemessener Abgleich Flasche für Flasche existiert nicht, und wir behaupten ihn auch nicht. Die 96 Prozent bei Maison Afford heißen also: Dieses Haus liegt bei seinen Nachbauten im Schnitt sehr dicht an der Vorlage – nicht, dass Kitanari zu 96 Prozent identisch gemessen wäre.
Bewertungen von Käufern helfen hier kaum weiter. Alle drei stehen bei 5,0 von 5, aber aus einer einzigen Stimme (Maison Afford), sechs Stimmen (Perfume Parlour) und drei Stimmen (The Dua Brand). Aus solchen Zahlen lässt sich nichts ableiten, weder Gutes noch Schlechtes. Wer eine belastbare Fremdmeinung sucht, findet sie zu diesem Duft nicht.
Welche Notenliste welchem Original folgt
Der Vergleich der Notenlisten ist bei Matsukita ungewöhnlich aufschlussreich, weil die beiden verfügbaren Vorlagen auseinandergehen. Maison Afford nennt für Kitanari exakt dieselben elf Noten in derselben Reihenfolge, die auch bei uns für das Original stehen – inklusive Guajakholz, Jasmin-Sambac und Balsamtanne Absolue, die der Hersteller selbst nicht führt. The Dua Brand nennt für Japanese Princess dagegen genau die Herstellerliste: Bergamotte, rosa Pfeffer, Muskat, chinesischer Jasmin, Mate, Amber, Moschus, Eichenmoos und holzige Noten.
Beide Shops haben also abgeschrieben, nur von unterschiedlichen Quellen. Das sagt nichts darüber aus, was tatsächlich in der jeweiligen Flasche ist – aber es zeigt, dass eine übereinstimmende Notenliste kein Qualitätsmerkmal ist. Maison Afford gibt für seine Extraits 25 Prozent Duftölanteil an, dieselbe Zahl wie Clive Christian; The Dua Brand weist für Japanese Princess 33,33 Prozent aus. Ein höherer Ölanteil bedeutet mehr Substanz pro Sprüher, nicht mehr Ähnlichkeit.
Haltbarkeit und Intensität – und was daran Schätzung ist
Für jeden Dupe hinterlegen wir zwei Prozentwerte, beide relativ zum Original: Haltbarkeit (wie lange er im Vergleich trägt) und Intensität (wie stark er zu Beginn drückt). 100 Prozent heißt „wie das Original“, Werte darüber sind möglich, wenn höher dosiert wurde. Das sind redaktionelle Einschätzungen und Lesehilfen für den Haltbarkeitsgrafen, keine Messungen.
| Dupe | Haltbarkeit | Intensität |
|---|---|---|
| Kitanari (Maison Afford) | 111 % | 109 % |
| Woodsy Jasmine – 2049 (Perfume Parlour) | 96 % | 95 % |
| Japanese Princess (The Dua Brand) | 92 % | 83 % |
Das Feld sortiert sich damit in derselben Reihenfolge wie beim Preis, was selten vorkommt: Kitanari ist zugleich der günstigste, der nächstliegende und der kräftigste. Bei einem Original mit 8,0 Punkten Haltbarkeit ist der Unterschied zwischen 111 und 92 Prozent nicht dramatisch, aber spürbar – grob die Differenz zwischen „hält den Arbeitstag durch“ und „braucht am Nachmittag einen Nachschlag“. Die 83 Prozent Intensität bei Japanese Princess bedeuten einen leiseren Auftakt; wer das Original wegen seiner Zurückhaltung mag, kann das sogar als Vorteil lesen.
Versandweg, Zoll und ein Verfügbarkeitsproblem
Der Preis pro Milliliter ist nur die halbe Rechnung. Maison Afford versendet aus Deutschland und liefert ab 50 Euro Bestellwert versandkostenfrei – bei 29,90 Euro für den einzelnen Flakon greift das nicht, und die Versandkosten darunter haben wir nicht erfasst. Perfume Parlour versendet aus Großbritannien, The Dua Brand aus Kalifornien und liefert ab 56,45 Euro (65 US-Dollar) kostenfrei. Beide liegen außerhalb der EU: Post- und Kuriersendungen von dort müssen zollrechtlich abgefertigt werden, und ob Einfuhrumsatzsteuer oder Zoll anfallen, hängt von Warenwert und Warenart ab sowie davon, ob der Shop die Steuer im Bestellprozess bereits abführt. Rechne damit, dass der Endpreis über dem steht, was im Warenkorb angezeigt wird.
Wichtiger noch: Zwei der drei Dupes waren zum Zeitpunkt der Recherche nicht lieferbar. Kitanari steht bei Maison Afford als ausverkauft mit Benachrichtigungsfunktion, Japanese Princess ist bei The Dua Brand ebenfalls vergriffen. Lieferbar ist damit nur Woodsy Jasmine von Perfume Parlour – der mittlere Preis, der mittlere Nähewert, der mittlere Haltbarkeitsschätzwert. Das ist kein schlechtes Los, aber es ist eine Wahl ohne Alternative, solange sich an der Bestandslage nichts ändert. Preise und Verfügbarkeit ändern sich laufend; die Übersichtsseite zeigt den aktuellen Stand.
Sollte Kitanari zurückkommen, ist es nach dieser Datenlage die naheliegende erste Wahl: günstigster Milliliterpreis, höchster Nähewert, stärkste Haltbarkeitseinschätzung, Versand innerhalb Deutschlands ohne Zollthema. Japanese Princess ist die teuerste und leiseste Variante und lohnt vor allem, wenn ohnehin eine größere Bestellung bei The Dua Brand zusammenkommt und die Portoschwelle von 65 Dollar erreicht wird.
Alle Dupes zu Matsukita mit aktuellen Preisen →
Zwei Lücken bleiben offen. Erstens der Parfümeur: In unserer Datenbank ist keiner hinterlegt, und Clive Christian nennt auf der Produktseite keinen Namen. Solange sich das nicht belegen lässt, bleibt die Zeile leer – lieber eine Lücke als ein geratener Name. Zweitens die Konzentration: Der Hersteller gibt 25 Prozent an, in unserem Datensatz steht dazu nichts, weil die Angabe aus der Importquelle nicht mitgeliefert wurde. Beides ist behebbar, aber nicht durch Raten.
Quellen
- Matsukita – Produktseite · Clive Christian Perfume · abgerufen am 14. August 2026
- Clive Christian Perfume · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Verordnung (EU) 2017/1410 zur Änderung der Anhänge II und III der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der EU · abgerufen am 14. August 2026
- Kitanari – Produktseite · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
- Japanese Princess – Produktseite · The Dua Brand · abgerufen am 14. August 2026
- Sendungen aus einem Nicht-EU-Staat · Generalzolldirektion (zoll.de) · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.