Nishane Nefs: Welcher Dupe kommt wirklich heran?
Was Nishane Nefs ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.
von DupeVergleich · · 9 Min Lesezeit
Nefs steht in unserer Datenbank auf Rang 34 von 498 gerankten Unisex-Düften: 8,8 von 10 Punkten aus 2.030 Stimmen. Nur neun dieser 498 Düfte werden beim Duft selbst höher bewertet. Und keiner von ihnen ist teurer.
665 für den 50-Milliliter-Flakon – so steht es auf der Herstellerseite, abgerufen am 14. August 2026, dort in Dollar ausgewiesen; wir führen den Betrag als Euro-Wert, je nach Wechselkurs weicht er also etwas ab. Das sind 13,30 Euro pro Milliliter und damit der höchste Wert unter allen 498 gerankten Unisex-Düften, die wir erfasst haben. Nishanes reguläre Extraits – Ani, Hacivat, Wūlóng Chá – kosten bei uns 225 Euro für dieselben 50 Milliliter, also 4,50 Euro pro Milliliter. Nefs gehört zur Collection Prestige und kostet damit knapp das Dreifache eines gewöhnlichen Nishane.
Die Käufer verrechnen das. Die Preis-Leistungs-Wertung liegt bei 5,8 von 10 Punkten aus 1.678 Stimmen, während der Schnitt aller 498 gerankten Unisex-Düfte bei 6,91 steht – nur 40 von ihnen schneiden hier schlechter ab. Zwischen der Duftwertung 8,8 und den 5,8 für den Gegenwert klaffen drei volle Punkte. Die Lücke, aus der ein Dupe-Markt entsteht, ist selten so klar beziffert.
In unserer Datenbank stehen drei Duftzwillinge zu Nefs, verteilt auf drei Häuser, zwischen 0,30 und 0,68 Euro pro Milliliter. Dieser Text sortiert sie – und sagt, wo sie hinter dem Original zurückbleiben.
Was im Flakon steckt
Nefs erschien 2019. Nishane ist ein Haus aus Istanbul, und der Hersteller ordnet den Duft selbst als orientalisches Flaggschiff seiner Prestige-Linie ein – eine Eigenbeschreibung, kein Befund. Geführt wird er als Extrait de Parfum und in genau einer Größe: 50 Milliliter. Als Parfümeur ist bei uns Christian Carbonnel erfasst, der auch unter dem Namen Chris Maurice arbeitet; auf der Produktseite von Nishane wird kein Parfümeur genannt.
Der Aufbau nach den Noten, die wir erfasst haben. Die Zahl in Klammern ist die Gewichtung auf einer Skala von 1 bis 5 – sie gibt an, wie stark eine Note im Gesamteindruck wahrgenommen wird:
- Kopfnote: Honig (5), Safran (3), Feige (2), Salbei (2), Veilchen (1)
- Herznote: Rose (4), Osmanthus (2), Jasmin (1), Muskat (1), Rosengeranie (1)
- Basisnote: Amber (2), Gurjunbalsam (2), Oud (2), Vanille (2), Whisky (2), Zedernholz (2), Zimt (2), Leder (1)
Achtzehn Noten – das ist deutlich mehr als üblich, und die Verteilung erklärt, warum der Duft so schwer zu treffen ist. In der Basis stehen acht Noten, keine davon über Gewichtung 2. Es gibt dort also keinen Anker, sondern eine Fläche: Amber, Vanille und Zimt für die süße Seite, Oud, Zedernholz, Gurjunbalsam und Leder für die trockene, Whisky als Verbindung. Herausragend sind nur zwei Töne, und beide sitzen oben: Honig auf der Höchstgewichtung 5, Rose auf 4.
Die erfassten Duftrichtungen bestätigen das: süß und würzig gleichauf auf 3, orientalisch, holzig und blumig jeweils auf 2. Kein Akkord dominiert.
Wo dieser Duft teuer ist – und wo nicht
Bei einem Preis von 13,30 Euro pro Milliliter liegt die Frage nahe, was davon im Flakon steckt. Zwei der erfassten Materialien gehören tatsächlich zu den teuersten der Branche. Oud, das Harzholz der Gattung Aquilaria, entsteht erst, wenn ein Baum von einem Pilz befallen wird und mit Harz reagiert; laut Wikipedia sind natürlicherweise nur etwa 7 von 100 Bäumen derselben Art betroffen. Seit 1995 steht Aquilaria malaccensis in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, seit 2004 die gesamte Gattung. Oud wird in der Parfümerie als Basisnote eingesetzt und traditionell mit Rose kombiniert – genau die Paarung, die hier auf Gewichtung 2 und 4 steht.
Safran auf Gewichtung 3 ist das zweite. Für ein Kilogramm werden rund 150.000 Krokusblüten von Hand gepflückt, was etwa 40 Arbeitsstunden allein für das Pflücken bedeutet; Premiumware liegt laut Wikipedia regelmäßig über 5.000 US-Dollar pro Kilogramm. Der Geruchsträger ist Safranal, der bis zu 70 Prozent der flüchtigen Fraktion ausmachen kann. In der Parfümerie wird die Safrannote allerdings üblicherweise nicht über das Gewürz selbst aufgebaut – der Rohstoff ist dafür schlicht zu teuer.
Und damit zum entscheidenden Punkt für jeden Nachbau: Die lauteste Note dieses Duftes ist zugleich die billigste. Der Honigeindruck wird in der Parfümerie im Wesentlichen über Phenylessigsäure erzeugt, eine Substanz, die in niedriger Konzentration ausgesprochen honigartig riecht – sie ist auch im echten Honig einer der prägenden Aromastoffe – und in höherer Konzentration unangenehm urinartig kippt. Sie ist Katalogware. Was Nefs im ersten Eindruck ausmacht, kostet also fast nichts, und die eigentliche Kunst liegt in der Dosierung: zu viel, und der Duft wird streng statt süß. Teuer wird es erst in der Basis – also dort, wo man einen Nachbau nach vier Stunden prüft.
Wie er sich trägt – und was die Zahlen wert sind
Die Werte in unserer Datenbank stammen aus Community-Abstimmungen, jede Kategorie mit eigener Stimmenzahl. Es sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten:
| Kriterium | Wert (von 10) | Stimmen | Schnitt Unisex |
|---|---|---|---|
| Duft | 8,8 | 2.030 | 8,11 |
| Haltbarkeit | 9,1 | 1.919 | 7,90 |
| Flakon | 9,0 | 1.850 | – |
| Sillage | 8,8 | 1.915 | 7,52 |
| Preis-Leistung | 5,8 | 1.678 | 6,91 |
Sillage bezeichnet die Duftspur, die man beim Vorbeigehen hinterlässt – Reichweite also, nicht Dauer. 8,8 bei einem Schnitt von 7,52 ist ein sehr hoher Wert, und die Haltbarkeit liegt mit 9,1 noch darüber. Nefs ist damit die seltene Kombination aus lange und laut – überdosiert wird er im Büro zum Problem.
Bemerkenswert ist der Einbruch bei der Preis-Leistung. Bei über 1.600 Stimmen ist der Mittelwert stabil, und 5,8 Punkte sind eine deutliche Aussage: Ein großer Teil derer, die den Duft gut genug finden, um ihn zu bewerten, hält ihn trotzdem für zu teuer. Genau dieser Abstand ist das Argument für einen Zwilling – nicht der Duft ist das Problem, der Preis ist es.
Die drei Duftzwillinge im Vergleich
Sortiert nach Nähe zum Original. Der Preis pro Milliliter bezieht sich auf die günstigste reguläre Größe ab 20 Millilitern, Probiergrößen sind ausgenommen. Die Wertungen laufen auf einer Skala bis 5 und stammen von den Shops selbst – nicht von uns und nicht von einer unabhängigen Plattform.
| Duftzwilling | Haus | Größe / Preis | Pro ml | Nähe | Shop-Wertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Leathery Honey | Maison Afford | 56 ml / 29,90 € | 0,53 € | 98 % | keine |
| Self - 1356 | Perfume Parlour | 60 ml / 40,87 € | 0,68 € | 89 % | 3,8 (8) |
| divain.409 | DIVAIN | 100 ml / 29,99 € | 0,30 € | keine Angabe | 4,3 (16) |
Zur Spalte Nähe gehört eine Einschränkung, die wir nicht verstecken: Der Prozentwert ist ein Markenquerschnitt, kein Laborwert für den einzelnen Flakon. Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt; ohne gaschromatografische Analyse ist ein exakter Wert je Duft nicht bestimmbar, und die machen wir nicht. Für DIVAIN haben wir keine Spanne hinterlegt – dort steht keine Zahl statt einer geratenen.
Der Preisabstand dagegen ist hart nachrechenbar und ungewöhnlich groß. Gegenüber 13,30 Euro pro Milliliter kostet der teuerste Zwilling ein Zwanzigstel, der günstigste ein Vierundvierzigstel. Bei Vorlagen um 200 Euro liegt dieser Faktor meist im einstelligen Bereich; hier zahlt das Original das Vielfache.
Am nächsten dran, Note für Note
Maison Afford führt die Liste mit 98 Prozent an, dem oberen Ende der Spanne, die wir für dieses Haus hinterlegt haben. Leathery Honey kostet 29,90 Euro für 56 Milliliter, also 0,53 Euro pro Milliliter. Der Shop verkauft ihn als Extrait de Parfum mit 25 Prozent Duftölanteil und listet exakt dieselben achtzehn Noten, die auch bei uns und beim Hersteller stehen – vollständig, ohne Auslassung. Die Zuordnung zu Nefs formuliert der Shop selbst vorsichtig: Der Duft gehe „in die Richtung“ von Nefs.
Unsere redaktionelle Einschätzung – Einschätzung, keine Messung – setzt ihn auf 110 Prozent Haltbarkeit und 99 Prozent Intensität. Bei einem Original, das ohnehin auf 9,1 für die Haltbarkeit kommt, ist das eher eine Warnung als ein Verkaufsargument. Beim Abruf am 14. August 2026 war der Flakon lieferbar; was fehlt, ist jede Rückmeldung dazu – keine einzige Shopbewertung. Das Haus sitzt in Deutschland und liefert ab 50 Euro versandkostenfrei.
Der teuerste Zwilling, mit einer fehlenden Note
Perfume Parlour verkauft seine Version unter der Nummer 1356 und dem Fantasienamen Self; der Shop bezeichnet sie auf der Produktseite selbst als Nefs-Dupe. Der 60-Milliliter-Extrait kostet 40,87 Euro, das sind 0,68 Euro pro Milliliter – der höchste Wert im Feld, bei 89 Prozent Nähe. Dieselbe Duftnummer gibt es dort in einem Dutzend weiterer Formen, vom 13-Milliliter-Eau-de-Parfum bis zur Kerze.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Notenliste: Sie deckt sich mit dem Original bis auf eine Auslassung – Whisky fehlt, siebzehn Noten statt achtzehn. Das ist genau die Verbindungsnote zwischen der süßen und der trockenen Hälfte der Basis. Zweitens die Wertung: 3,8 Sterne aus acht Bewertungen sind die einzige Shop-Wertung im Feld unter 4,0. Acht Stimmen tragen kein Urteil, aber sie sind auch kein Rückenwind. Unsere Einschätzung liegt bei je 90 Prozent für Haltbarkeit und Intensität, also unter dem Original in beiden Punkten. Versendet wird aus Großbritannien, also von außerhalb der EU – Einfuhrabgaben sind im Preis pro Milliliter nicht enthalten.
Der günstigste – und derzeit nicht erreichbar
divain.409 ist mit 29,99 Euro für 100 Milliliter der mit Abstand günstigste Eintrag: 0,30 Euro pro Milliliter, bei 4,3 Sternen aus 16 Bewertungen. Nur ließ sich die Produktseite am 14. August 2026 nicht mehr aufrufen, sie antwortete mit einem 404; auch in unseren Daten ist die Variante als nicht verfügbar markiert. Ein Preis, den man nicht bezahlen kann, ist kein Preis.
Unabhängig davon laufen DIVAIN-Dupes bei uns nicht im Dupechecker Pick mit: Der Shop rabattiert seit längerem praktisch das gesamte Sortiment, und weder Versandkosten noch Freigrenze sind angegeben – der Endpreis lässt sich nicht nachrechnen. Wir behaupten nicht, dass hier etwas nicht stimmt; wir können es nur nicht bestätigen.
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Vor dem Kauf
Bei diesem Preisniveau lohnt sich Testen mehr als bei jedem anderen Duft in unserer Datenbank. Eine 2-Milliliter-Originalprobe kostet bei Perfumproben24 18,99 Euro (Stand 11. August 2026), pro Milliliter also 9,50 Euro. Teuer – aber für 18,99 Euro erfährt man, ob man 665 ausgeben will. Zur Einordnung: Der komplette 56-Milliliter-Flakon von Maison Afford kostet nur elf Euro mehr als diese zwei Milliliter des Originals.
Die Konzentrationsangaben der Dupe-Shops – 25 Prozent Duftölanteil bei Maison Afford, „Extrait“ bei Perfume Parlour – stammen von den Anbietern selbst und sind von uns nicht überprüfbar. Ein Duftölanteil sagt ohnehin wenig über die Qualität der Öle.
Bleibt die Erwartung. 98 Prozent Nähe heißen nicht „identisch“, sondern „derselbe Duftgedanke, andere Ausführung“. Die Zwillinge treffen den Auftakt, weil Honig, Safran und Feige aus bezahlbaren Materialien gebaut sind. Was abweicht, ist die Basis – acht Noten, jede schwach gewichtet, die zusammen die zweite Tageshälfte tragen. Dort steht mit Oud das Material, an dem ein Nachbau zwangsläufig spart, und dort entscheidet sich, ob aus einem starken Auftakt ein Duft wird, den man den ganzen Tag mag.
Quellen
- NEFS – Collection Prestige · Nishane · abgerufen am 14. August 2026
- Leathery Honey · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
- Self - 1356 · Perfume Parlour · abgerufen am 14. August 2026
- Agarwood · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Saffron · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Phenylacetic acid · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.