Nasomatto Baraonda: Welcher Dupe kommt wirklich heran?
Was Nasomatto Baraonda ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.
von DupeVergleich · · 10 Min Lesezeit
Baraonda steht in unserer Datenbank auf Rang 56 von 498 gerankten Unisex-Düften: 8,5 von 10 Punkten aus 2.057 Stimmen. Nur 47 der 498 liegen darüber. Der Flakon kostet 130 Euro für 30 Milliliter – so steht es auf der Produktseite von Nasomatto, abgerufen am 14. August 2026. Das sind 4,33 Euro pro Milliliter, fast das Doppelte dessen, was in dieser Artikelreihe sonst als teuer gilt.
Bemerkenswert ist, dass die Käufer diesen Preis mittragen. Die Preis-Leistungs-Wertung liegt bei 7,5 Punkten, der Durchschnitt aller 498 gerankten Unisex-Düfte bei 6,91 – 399 von ihnen schneiden hier schlechter ab. Wer zum Zwilling greift, tut das also nicht aus Empörung über den Preis, sondern weil 130 Euro 130 Euro sind.
In unserer Datenbank stehen fünf Voll-Flakons als Zwillinge zu Baraonda, verteilt auf vier Häuser, von 0,29 bis 1,92 Euro pro Milliliter. Sortiert man sie ehrlich, bleibt einer übrig, der lieferbar, nachrechenbar und nah dran ist – die anderen haben je ein Problem, und dieser Text nennt es.
Was im Flakon steckt
Baraonda erschien 2016 als Extrait de Parfum. Die Herstellerseite gibt an, dass der Duft in Italien produziert wird, beschreibt die Flakongestaltung als von Moskau inspiriert und die Kappe als Kork aus Portugal und Italien. Was sie nicht tut: eine einzige Duftnote nennen. Die offizielle Produktbeschreibung bleibt durchgehend abstrakt – wer wissen will, was in der Flasche ist, ist auf Dritte angewiesen. Als Parfümeur ist bei uns Alessandro Gualtieri erfasst; die Herstellerseite nennt niemanden.
Die Konzentrationsangabe ist keine Formalie. Ein Extrait de Parfum enthält laut Wikipedia 15 bis 30 Prozent Riechstoffe, ein Eau de Parfum typischerweise rund 15 Prozent. Baraonda spielt am oberen Ende der Skala – daran muss sich jeder Nachbau messen lassen, nicht nur im Geruch, sondern in Dauer und Reichweite.
Zu Baraonda liegt bei uns keine Duftpyramide vor, sondern eine gewichtete Notenliste ohne Aufteilung in Kopf, Herz und Basis. Die Zahl in Klammern ist die Gewichtung auf einer Skala von 1 bis 5 – sie gibt an, wie stark eine Note im Gesamteindruck wahrgenommen wird:
- Whiskey (5)
- holzige Noten (4)
- Ambrette, auch Moschusmalve (3)
- Rose (2)
- Ambroxan (1)
- Moschus (1)
Sechs Noten, und eine trägt alles: Whiskey auf der Höchstgewichtung 5, mit Abstand vor dem Holz. Die erfassten Duftrichtungen bestätigen das Bild – holzig und würzig gleichauf auf 3, süß und rauchig auf 2, gourmandig auf 1. Ein Duft mit sechs Noten und einem klaren Zentrum ist für einen Nachbau leichter zu treffen als eine vielteilige Komposition: weniger Stellen, an denen etwas schiefgehen kann, aber die eine Stelle muss sitzen.
Woher der Whisky kommt
„Whiskey“ ist keine Zutat, die ein Parfümeur einkauft, sondern ein Akkord: eine nachgebaute Geruchsvorstellung aus mehreren Materialien. Das ist der Normalfall – und für die Dupe-Frage entscheidend.
Der Geruch von echtem Whisky entsteht laut Wikipedia zum größten Teil erst im Fass: Aus der Eiche gehen Vanillin, Vanillinsäure und Syringaldehyd in die Flüssigkeit über, dazu das sogenannte Whisky- oder Quercus-Lacton, das ausgeprägt nach Kokos riecht. Der rauchig-torfige Zug, den man mit schottischem Whisky verbindet, stammt dagegen nicht vom Fass, sondern vom Torfrauch, mit dem das Malz behandelt wird. Vanille, Kokos, verbranntes Holz, Rauch – das sind vier Bausteine, die in jedem Duftstofflager stehen.
Auch der Rest der Liste ist beherrschbar. Ambroxan ist ein synthetischer Ersatz für Ambra, gewonnen über Sclareol aus dem Öl der Muskatellersalbei; es riecht holzig-moschusartig mit salzigem Zug und dient zusätzlich als Fixateur, verlängert also die Haftung. Ambrette, die Moschusmalve, liefert einen pflanzlichen Moschusgeruch, wurde aber wegen der hohen Kosten weitgehend durch synthetische Moschusstoffe ersetzt – ein Nachbau greift hier zu demselben Material wie die Nische.
Die Schwierigkeit liegt also nicht im Einkauf, sondern in der Balance. Kippt der Whiskey-Akkord zu süß, wird ein Likör daraus; kippt er zu rauchig, ein Aschenbecher. Wo ein Zwilling spart, spart er nicht an einem teuren Rohstoff – den gibt es hier nicht –, sondern am Duftölanteil. Und weniger Duftöl kostet genau die zwei Eigenschaften, in denen Baraonda stark ist.
Wie er sich trägt – und was die Zahlen wert sind
Die Werte in unserer Datenbank stammen aus Community-Abstimmungen, jede Kategorie mit eigener Stimmenzahl:
| Kriterium | Wert (von 10) | Stimmen |
|---|---|---|
| Duft | 8,5 | 2.057 |
| Flakon | 8,7 | 1.827 |
| Haltbarkeit | 8,7 | 1.898 |
| Sillage | 8,3 | 1.888 |
| Preis-Leistung | 7,5 | 1.408 |
Sillage bezeichnet die Duftspur, die man beim Vorbeigehen hinterlässt – Reichweite also, nicht Dauer. Beide Leistungswerte liegen im Spitzenfeld: Bei der Haltbarkeit übertreffen nur 67 der 498 gerankten Unisex-Düfte die 8,7 Punkte, bei der Sillage nur 74 die 8,3. Der Schnitt liegt bei 7,90 beziehungsweise 7,52. Baraonda gehört damit in beiden Disziplinen zu den obersten fünfzehn Prozent des Feldes.
Was diese Zahlen nicht sind: Labordaten. Es sind Selbsteinschätzungen von Käufern, und wer 130 Euro ausgegeben hat, wertet selten hart. Ihr Wert liegt in der Menge – bei über 1.400 Stimmen je Kategorie ist der Mittelwert stabil. Für den Dupe-Vergleich heißt das: Ein Zwilling, der den Geruch trifft, aber nach drei Stunden weg ist, hat die Vorlage nicht getroffen.
Die fünf Duftzwillinge im Vergleich
Sortiert nach Nähe zum Original. Der Preis pro Milliliter bezieht sich auf die günstigste reguläre Größe ab 20 Millilitern, Probiergrößen sind ausgenommen. Preise in Fremdwährung haben wir mit dem EZB-Referenzkurs vom 4. August 2026 umgerechnet. Die Wertungen laufen auf einer Skala bis 5 und stammen von den Shops selbst – nicht von uns und nicht von einer unabhängigen Plattform.
| Duftzwilling | Haus | Größe / Preis | Pro ml | Nähe | Shop-Wertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Noir Burn | Maison Afford | 56 ml / 29,90 € | 0,53 € | 96 % | keine |
| Confusion – 1648 | Perfume Parlour | 60 ml / 46,71 € | 0,78 € | 89 % | 4,7 (29) |
| Liquid Mind Control | The Dua Brand | 34 ml / 65,13 € | 1,92 € | 87 % | 4,5 (19) |
| divain.418 | DIVAIN | 100 ml / 28,99 € | 0,29 € | keine Angabe | 4,7 (16) |
| divain. ESSENTIAL 418 | DIVAIN | 100 ml / 28,99 € | 0,29 € | keine Angabe | keine |
Zur Spalte Nähe gehört eine Einschränkung, die wir nicht verstecken: Der Prozentwert ist ein Markenquerschnitt, kein Laborwert für den einzelnen Flakon. Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt; ohne gaschromatografische Analyse ist ein exakter Wert je Duft nicht bestimmbar, und die machen wir nicht. Zwischen 87 und 89 Prozent liegt praktisch kein Unterschied, der Abstand von 96 zu 87 ist dagegen real. Für DIVAIN haben wir keine Spanne hinterlegt – dort steht keine Zahl statt einer geratenen.
Der Preisabstand fällt weit aus. Gegenüber 4,33 Euro pro Milliliter beim Original kostet der günstigste nachrechenbare Zwilling ein Achtel, der teuerste noch weniger als die Hälfte.
Der einzige, der lieferbar und nachrechenbar ist
Maison Afford führt die Liste mit 96 Prozent an, im mittleren Bereich der Spanne für dieses Haus. Noir Burn kostet 29,90 Euro für 56 Milliliter, also 0,53 Euro pro Milliliter. Der Shop verkauft ihn als Extrait de Parfum mit 25 Prozent Duftölanteil, listet exakt dieselben sechs Noten, die auch bei uns stehen, und formuliert die Zuordnung selbst zurückhaltend: Der Duft gehe in die Richtung von Baraonda. Am 14. August 2026 war er als auf Lager ausgewiesen.
Unsere redaktionelle Einschätzung – Einschätzung, keine Messung – setzt ihn auf 96 Prozent Haltbarkeit und 114 Prozent Intensität: etwas kürzer als das Original, dafür lauter. Bei einer Vorlage, deren Sillage ohnehin im Spitzenfeld liegt, ist das eher Warnung als Verkaufsargument. Was fehlt, ist jede Rückmeldung von Käufern: null Bewertungen im Shop. Das Haus sitzt in Deutschland und liefert ab 50 Euro versandkostenfrei.
Am zweitnächsten – und komplett ausverkauft
Perfume Parlour verkauft seinen Zwilling unter der Nummer 1648 und dem Fantasienamen Confusion. Der 60-Milliliter-Extrait kostet 40 Pfund, umgerechnet 46,71 Euro oder 0,78 Euro pro Milliliter, bei 89 Prozent Nähe. Mit 4,7 Sternen aus 29 Bewertungen hat er die breiteste Rückmeldungsbasis im Feld – dünn bleibt sie trotzdem. Unsere Einschätzung sieht 95 Prozent Haltbarkeit und 84 Prozent Intensität: nah an der Dauer des Originals, spürbar leiser.
Zwei Punkte sprechen dagegen. Erstens war beim Abruf am 14. August 2026 keine einzige der 34 angebotenen Varianten lieferbar – nicht der 60-Milliliter-Flakon, nicht die kleineren Größen, nicht die 2-Milliliter-Probe. Zweitens fehlt in der Notenliste des Shops ausgerechnet der Whiskey: Aufgeführt sind Ambrette und Moschus, Rose sowie holzige Noten und Ambroxan – alles außer der Note, die im Original die Höchstgewichtung trägt. Ob das an der Rezeptur liegt oder an der Pflege der Produktseite, lässt sich von außen nicht sagen. Dazu kommt Versand aus Großbritannien, also von außerhalb der EU.
Der teuerste Zwilling, die längste Notenliste
The Dua Brand ruft für Liquid Mind Control 75 US-Dollar auf, umgerechnet 65,13 Euro für 34 Milliliter – 1,92 Euro pro Milliliter und damit mehr als das Dreifache des nächstteureren Eintrags. Der Shop gibt 33,33 Prozent Duftölanteil an und beziffert die Haltbarkeit selbst mit sechs bis acht Stunden. Unsere Einschätzung fällt deutlich schlechter aus: 71 Prozent Haltbarkeit und 82 Prozent Intensität, die schwächsten Werte im Feld – beim höchsten Preis. Die Nähe liegt bei 87 Prozent, am unteren Ende der Spanne dieses Hauses.
Auffällig ist die Notenliste: vierzehn Positionen, von sizilianischer Bergamotte über Rum und Bockshornklee bis zu australischem Sandelholz, wo unsere Erfassung des Originals sechs Noten kennt. Eine längere Liste bedeutet nicht mehr Duft im Flakon; sie ist zunächst Text auf einer Produktseite. Die 4,5 Sterne aus 19 Bewertungen haben wir am 5. August 2026 erfasst. Der Versand kommt aus Kalifornien, versandkostenfrei ab umgerechnet rund 56 Euro – Einfuhrumsatzsteuer und Zoll kommen obendrauf und stecken nicht im Preis pro Milliliter.
Zwei DIVAIN-Nummern, ein Preis, keine Nähe-Angabe
DIVAIN führt zwei Produktseiten mit derselben Nummer 418 und identischem Listenpreis von 28,99 Euro pro 100 Milliliter – 0,29 Euro pro Milliliter, der günstigste Eintrag. Die Notenliste ist auf beiden Seiten dieselbe und deckt sich weitgehend mit unserer: Whisky und holzige Noten, Rose, Ambroxan und Moschus, nur Ambrette fehlt. Baraonda wird als Vorlage allerdings nirgends genannt – die Zuordnung stammt aus einer externen Dupe-Liste, nicht vom Shop. Was divain.418 von divain. ESSENTIAL 418 unterscheidet, geht aus den Shopdaten nicht hervor.
Trotzdem laufen DIVAIN-Dupes bei uns nicht im Dupechecker Pick mit. Der Shop rabattiert seit längerem praktisch das gesamte Sortiment: Am 14. August 2026 stand auf der Produktseite ein Aktionspreis von 11,99 Euro statt 28,99 Euro, also 0,12 statt 0,29 Euro pro Milliliter. Ein Preis, der dauerhaft weit unter dem eigenen Listenpreis liegt, sagt wenig darüber, was ein Produkt kostet. Versandkosten und Freigrenze sind nicht angegeben, der Endpreis lässt sich also nicht nachrechnen. Wir behaupten nicht, dass hier etwas nicht stimmt – wir können es nur nicht bestätigen.
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Vor dem Kauf
Testen ist hier teuer, aber billiger als ein Fehlkauf. Eine 2-Milliliter-Originalprobe kostet bei Perfumproben24 22,49 Euro (Stand 11. August 2026). Pro Milliliter sind das 11,25 Euro, das Zweieinhalbfache des Flakonpreises – als Entscheidungshilfe vor 130 Euro trotzdem der günstigste Weg. Nasomatto bietet daneben ein 4-Milliliter-Parfümöl im Roll-on an; ein Preis dafür stand beim Abruf nicht auf der Seite.
Und eine Erwartung sollte gar nicht erst entstehen. Auch 96 Prozent Nähe heißen nicht „identisch“, sondern „derselbe Duftgedanke, andere Ausführung“. Den Whiskey-Akkord kann ein Nachbau treffen, weil er aus Katalogmaterial gebaut ist. Was abweicht, ist der Auftritt: wie lange der Duft trägt und wie weit er in den Raum geht. Genau dort ist das Original ungewöhnlich stark – und genau dort stehen die schwächsten Zahlen im Feld.
Quellen
- Baraonda – Extrait de Parfum · Nasomatto · abgerufen am 14. August 2026
- Whisky · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Ambroxide · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Abelmoschus moschatus · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Perfume · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Noir Burn – Extrait de Parfum · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.