Düfte im Porträt

Louis Vuitton L'Immensité: Welcher Dupe kommt wirklich heran?

Was Louis Vuitton L'Immensité ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.

von DupeVergleich · · 10 Min Lesezeit

L'Immensité ist 2018 erschienen und bei uns als Herrenduft geführt. Als Parfümeur steht Jacques Cavallier-Belletrud in der Datenbank – geboren 1962 in Grasse, in dritter Generation Parfümeur, seit 2012 bei LVMH, um die erste Duftlinie von Louis Vuitton aufzubauen. Von ihm stammen unter anderem Acqua di Gio für Giorgio Armani und L'Eau d'Issey für Issey Miyake, also zwei der meistkopierten Frischedüfte überhaupt. In unserer Datenbank steht L'Immensité bei 8,1 von 10 aus 1959 Stimmen. Zur Einordnung: Von 4308 erfassten Originalen tragen 1490 überhaupt eine Wertung, 610 davon liegen bei 8,1 oder darüber. Die Note ist also solide, aber nicht besonders. Bemerkenswert ist eher die Basis – nur 167 Einträge kommen auf 1959 Stimmen oder mehr, das sind knapp vier Prozent.

Der Preis ist der Grund, warum die Dupe-Frage überhaupt gestellt wird. Unser Datensatz führt 290 Euro für 100 Milliliter, hinterlegt als Standardpreis der Herrenlinie – das sind 290 Cent pro Milliliter. Louis Vuitton verkauft seine Düfte nicht über den Fachhandel – es gibt also keinen Parallelmarkt, der den Preis drückt.

Neun Duftzwillinge stehen bei uns in den Büchern. Die Spanne reicht von 28,0 bis 90,8 Cent pro Milliliter. Anders als bei vielen anderen Originalen kippt die Rechnung hier an keiner Stelle: Selbst der teuerste Nachbau kostet noch weniger als ein Drittel des Originals.

Zehn Noten, und die tragende ist ein Molekül

Duftnoten werden bei uns gewichtet erfasst, von 1 bis 5, je nachdem wie stark eine Note die Komposition prägt. Bei L'Immensité sieht das so aus: im Kopf Grapefruit mit Gewicht 5, Bergamotte mit 4, Ingwer mit 3. Im Herzen Rosmarin mit 5, Salbei mit 4, Geranie mit 3, Wassernoten mit 2. In der Basis Ambroxan mit 5, Amber mit 4, Labdanum mit 3. Die Duftrichtungen passen: Frisch und Zitrus mit dem Höchstgewicht 3, Aquatisch und Würzig mit 2, Holzig mit 1.

Die einzige Basisnote mit Höchstgewicht ist ein einzelner Stoff. Ambroxan ist die Handelsbezeichnung für Ambroxid, ein Terpenoid, das auch in Ambra vorkommt – dem Sekret des Pottwals, das seit dem Artenschutz als Rohstoff ausfällt. Hergestellt wird es in drei Schritten aus Sclareol, einem Bestandteil des Muskatellersalbeiöls. Es riecht holzig, moschusartig, leicht salzig und wirkt zugleich als Fixateur, hält also flüchtigere Bestandteile länger auf der Haut. Genau das erklärt die Haltbarkeitswertung von 7,5, obwohl der Kopf aus drei Zitrus- und Wurzelnoten besteht, die für sich genommen nach einer Stunde weg wären.

Für die Dupe-Frage ist diese Bauweise entscheidend. Ambroxan ist ein industriell hergestelltes Molekül, das jedes Labor in derselben Qualität einkauft – bei einem Duft, dessen Rückgrat daraus besteht, kann ein Nachbau strukturell näher herankommen als bei einer Komposition aus teuren Naturextrakten. Ähnliches gilt für die Wassernoten: kein Rohstoff, sondern eine Materialklasse, deren bekanntester Vertreter Calone ist, 1966 bei Pfizer entdeckt und in den Neunzigern zum Signaturstoff der Aquatik-Welle geworden.

Teurer wird es an zwei Stellen. Bergamotte ist die am stärksten regulierte Zitrusnote überhaupt: Das Öl enthält mit 3000 bis 3600 Milligramm je Kilogramm mehr Bergapten als jedes andere Zitrusöl, ist deshalb bei Sonnenlicht auf der Haut phototoxisch, und die IFRA begrenzt es in Produkten, die auf der Haut verbleiben, auf 0,4 Prozent – strenger als jedes andere Zitrusöl. Wer diese Grenze umgehen will, nimmt das zweifach rektifizierte, bergaptenfreie Öl, das anders riecht. Und Grapefruit lebt olfaktorisch von Nootkaton, dem wertvollsten Aromastoff der Frucht, der kommerziell nicht aus Grapefruit gewonnen wird, sondern aus dem häufigeren Valencen. Wo genau ein Shop spart, lässt sich nicht prüfen – keiner der neun legt eine Rohstoffliste offen.

Der Rosmarin im Herzen macht aus dem Ganzen einen aromatischen Duft im engeren Sinn. The Perfume Society beschreibt die Note als scharf, lavendelartig, aromatisch und ordnet sie überwiegend Herrendüften zu. Mit Salbei und Geranie daneben steht dort eine Kräuterkombination, die seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire gehört – nichts, was ein Nachbaulabor vor eine ungewohnte Aufgabe stellt.

Was die Bewertungen sagen – und was nicht

Die folgenden Werte sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten. Niemand hat hier mit der Stoppuhr gemessen. Bei 1500 bis 2000 Stimmen je Kategorie mitteln sich Ausreißer aber heraus, und der Abstand zwischen den Kategorien ist der eigentliche Befund.

KategorieWert (von 10)Stimmen
Flakon8,61.749
Duft8,11.959
Haltbarkeit7,51.813
Sillage7,21.796
Preis-Leistung5,71.580

Der Duft bekommt 8,1, die Preis-Leistung 5,7 – eine Lücke von 2,4 Punkten. Das ist selten: Über alle 1490 bewerteten Originale liegt die Preis-Leistung im Schnitt bei 7,27, und nur 73 Einträge kommen auf 5,7 oder schlechter. Eine Lücke von 2,4 Punkten oder mehr zwischen Duft und Preis-Leistung haben insgesamt 75 Düfte, also rund fünf Prozent. Wer L'Immensité gerochen hat, findet ihn mehrheitlich gut und den Preis mehrheitlich unangemessen.

Ein Urteil über diesen einen Duft ist das allerdings nicht. Von den 18 bewerteten Louis-Vuitton-Einträgen bei uns liegt keiner in der Preis-Leistung über 6,5; Symphony kommt auf 4,6, das meistbewertete Imagination auf 6,2. Bewertet wird hier die Preispolitik des Hauses, nicht die Rezeptur. Innerhalb der Marke ist L'Immensité mit 8,1 Mittelfeld.

Bemerkenswert ist der Spitzenwert: Mit 8,6 ist der Flakon besser bewertet als der Duft. Genau der Teil, den ein Dupe nicht mitliefert, ist hier das am höchsten benotete Merkmal. Die Sillage – die Duftspur, also wie weit ein Duft im Raum wahrgenommen wird – liegt mit 7,2 leicht unter der Haltbarkeit: L'Immensité bleibt eher an der Haut, als dass er einen Raum füllt.

Neun Dupes, nach Preis pro Milliliter

Flakongrößen schwanken bei Dupe-Anbietern zwischen 50 und 100 Millilitern, der Flaschenpreis allein sagt also wenig. Wir rechnen immer auf den Preis pro Milliliter der günstigsten regulären Größe ab 20 Millilitern; Duftproben zählen nicht mit. Nähe ist der Prozentwert des Anbieters, die Bewertung die Shop-Bewertung auf einer Skala bis 5 mit der Zahl der Stimmen dahinter.

AnbieterDupeGröße / PreisCent pro mlNäheBewertung
DIVAINdivain.324100 ml / 27,95 €28,04,6 (260)
The Essence VaultInspired by L Immensite – 430100 ml / 32,64 €32,683 %4,9 (22)
Maison AffordEndless Light56 ml / 29,90 €53,497 %5,0 (1)
Perfume ParlourGrandness For Men – 149260 ml / 40,87 €68,188 %4,7 (49)
DossierAromatic Ginger50 ml / 39,00 €78,093 %4,5 (729)
Epris FragrancesLA' IMMENSITIO – N°45450 ml / 39,90 €79,887 %4,4 (326)
Fenominal FragranceFenominal-23050 ml / 44,99 €90,091 %5,0 (3)
Fiore ParfumsTamarindo50 ml / 45,00 €90,090 %
ÉCLATÉCLAT Zesty Ginger VIP55 ml / 49,95 €90,892 %5,0 (3)

Der günstigste Eintrag läuft bei uns außer Konkurrenz. DIVAIN rabattiert praktisch das gesamte Sortiment dauerhaft, Versandkosten und Freigrenze sind nicht angegeben, der Endpreis lässt sich also nicht nachrechnen. Wir behaupten nicht, dass etwas nicht stimmt – wir können es nur nicht prüfen, und deshalb läuft der Eintrag im Dupechecker Pick nicht mit. Ein Nähewert fehlt ihm als einzigem ebenfalls.

Damit ist The Essence Vault mit 32,6 Cent pro Milliliter der günstigste prüfbare Kandidat, gut ein Neuntel des Originalniveaus. Der Preis kommt allerdings über die 100-Milliliter-Größe zustande; dieselbe Flasche in 30 Milliliter liegt bei 66,0 Cent, also beim Doppelten. Und die Nähe, die wir dem Haus zuordnen, ist mit 83 Prozent die niedrigste im Feld. Wer hier kauft, kauft günstig ein, nicht nah.

Das beste Verhältnis aus Preis und zugeordneter Nähe hat Maison Afford: 29,90 Euro für 56 Milliliter sind 53,4 Cent pro Milliliter bei 97 Prozent, dem höchsten Wert im Feld. Der Haken steht daneben – eine einzige Bewertung mit 5,0 von 5. Aus einer Stimme lässt sich nichts ableiten, weder gut noch schlecht. Wer eine breitere Rückmeldung will, landet bei Dossier: 78,0 Cent pro Milliliter, 93 Prozent Nähe und 4,5 von 5 aus 729 Stimmen – mit Abstand die belastbarste Bewertung im ganzen Feld, dafür der zweieinhalbfache Milliliterpreis.

Bei Epris Fragrances waren beim letzten Shop-Abgleich beide Größen als nicht lieferbar markiert, auch die 2-Milliliter-Probe. Bei kleinen Chargen ändert sich das wöchentlich, aber ein Preis nützt nichts, wenn nichts im Regal steht.

Wo die Zahlen unscharf werden

Der Nähewert ist kein Messwert für den einzelnen Flakon, sondern ein Markenquerschnitt: Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt. Maison Afford steht bei 95 bis 98 Prozent, Dossier bei festen 93, ÉCLAT bei 90 bis 92, The Essence Vault bei 78 bis 88. Wer daraus liest, dass Maison Afford ausgerechnet diesen Duft besser trifft als ÉCLAT, überinterpretiert die Zahl. Sie beschreibt das Haus, nicht das Fläschchen.

Dasselbe gilt für die Haltbarkeits- und Intensitätswerte, die auf der Duftseite als Kurve erscheinen: redaktionelle Einschätzungen relativ zum Original mit 100 Prozent, keine Messung. Sie ergeben trotzdem ein lesbares Bild. Maison Afford ist mit 109 Prozent Haltbarkeit und 110 Prozent Intensität als einziger in beiden Werten über dem Original angesetzt. Fenominal liegt mit 76 zu 97 am anderen Ende – lauter Auftritt, der früher abbricht –, Dossier mit 79 zu 76 durchgehend darunter. ÉCLAT dreht das Verhältnis um: 101 Prozent Haltbarkeit bei 79 Prozent Intensität, also lange da, aber leise. Bei einem Duft, dessen Sillage schon im Original nur 7,2 bekommt, ist das eine ernste Einschränkung.

Unscharf ist auch die Zuordnung selbst. Sieben der neun Shops nennen L'Immensité selbst als Vorlage – belastbar, wenn auch über Namensabgleich hergestellt und nicht durch Nachriechen. Bei ÉCLAT und Fenominal Fragrance stammt die Verknüpfung aus Zuordnungslisten Dritter und ist bei uns als unsicher markiert; ÉCLAT nennt zu keinem seiner Düfte ein Original. Dass „Zesty Ginger“ genau die zwei Elemente benennt, die im Kopf stehen – Zitrus und Ingwer –, spricht dafür, ein Beleg des Shops ist es nicht.

Versandweg und die Frage der Probe

Der Milliliterpreis ist nicht der Endpreis. Maison Afford, ÉCLAT, Fiore Parfums und Epris Fragrances versenden aus Deutschland – versandkostenfrei ab 50, 59, 49,90 beziehungsweise 150 Euro, wobei Fiore darunter 9,90 Euro berechnet. Fenominal verlangt 3,99 Euro und liefert ab 49 Euro frei. Perfume Parlour und The Essence Vault versenden aus Großbritannien: eine Einfuhr aus einem Drittland, bei der Einfuhrumsatzsteuer und je nach Warenwert Zollgebühren anfallen können. Bei den 32,64 Euro von The Essence Vault ist der ausgewiesene Preis also nicht der gezahlte. DIVAIN versendet aus Spanien, für Dossier ist uns kein Versandlager hinterlegt.

Wer sich unsicher ist, kauft nicht den Flakon. Fiore Parfums gibt Tamarindo als 3-Milliliter-Probe für 4,99 Euro ab, The Essence Vault 5 Milliliter für 6,95 Euro, Fenominal 10 Milliliter für 17,99 Euro. Auf den Milliliter gerechnet sind das 166, 139 und 180 Cent – das Doppelte bis Vierfache des jeweiligen Flakonpreises. Als Kaufentscheidung sind fünf Euro trotzdem die günstigere Variante, wenn die Alternative ein 45-Euro-Fehlkauf ist. Bei den übrigen fünf Shops fällt diese Möglichkeit weg.

Alle Duftzwillinge zu Louis Vuitton L'Immensité mit Preis je Milliliter, Nähe und Haltbarkeitskurve

Zwei Lücken bleiben. Weder für das Original noch für einen der neun Nachbauten ist bei uns eine geprüfte Konzentration hinterlegt – ob mit Eau-de-Parfum-üblichem Riechstoffanteil formuliert wird oder darunter, steht nirgends. Bei einem Duft, der seine Haltbarkeit über einen Fixateur in der Basis bezieht, wäre genau das die Stelle zum Sparen. Und die Bewertungslage ist dünn: Nur bei Dossier und Epris steht eine dreistellige Stimmenzahl hinter der Note, zu Fiore Parfums liegt uns gar keine vor.

Quellen

  1. Jacques Cavallier · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  2. Ambroxide · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  3. Nootkatone · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  4. Calone · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  5. Bergamot essential oil · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  6. Rosemary – Ingredients · The Perfume Society · abgerufen am 14. August 2026

Über DupeVergleich

Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion

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