Düfte im Porträt

Jean Paul Gaultier Le Mâle Le Parfum: Welcher Dupe kommt wirklich heran?

Was Jean Paul Gaultier Le Mâle Le Parfum ausmacht, wie er sich trägt – und welcher Duftzwilling dem Original am nächsten kommt.

von DupeVergleich · · 9 Min Lesezeit

Le Mâle Le Parfum ist 2020 erschienen und steht in unserer Datenbank bei 8,4 von 10 aus 5457 Stimmen. Zur Einordnung: Von 4308 erfassten Originalen tragen 1490 überhaupt eine Wertung, und nur 26 kommen auf mehr als 5000 Stimmen. Der Duft gehört also zu dem knappen Prozent, bei dem die Zahl nicht auf ein paar Dutzend Meinungen steht.

Bemerkenswert ist die Position innerhalb der eigenen Familie. Das Original von 1995, Le Mâle, liegt bei 7,6 aus 4751 Stimmen – der Ableger schlägt den Klassiker also um 0,8 Punkte. Das kommt selten vor. Le Mâle Elixir (2023) steht bei 8,2 aus 3629 Stimmen, Le Mâle Essence de Parfum bei 8,1 aus 562, Le Mâle Elixir Absolu bei 7,7 aus 664. Wer heute „Le Mâle“ sagt und den bestbewerteten meint, meint nicht das gestreifte Original.

Beim Dupe-Angebot dreht sich das Verhältnis um. Auf das Original von 1995 führen wir 13 Duftzwillinge, auf Le Mâle Elixir acht – auf Le Mâle Le Parfum genau drei. Das liegt zwar über dem Schnitt von 1,89 Dupes je erfasstem Original, ist für einen Duft dieser Bekanntheit aber ein schmales Feld. Und einer der drei ist beim letzten Abgleich ausverkauft gewesen.

Fünf Noten, und der Kardamom trägt den Anfang

Duftnoten werden bei uns nach Ebene und Gewicht erfasst – 1 bis 5, je nachdem wie stark eine Note die Komposition prägt. Für Le Mâle Le Parfum stehen fünf Einträge in den Büchern: Kardamom in der Kopfnote mit Gewicht 5, Iris und Lavendel im Herzen mit je 2, Vanille in der Basis mit 4 und orientalische Hölzer mit 2. Mehr ist nicht hinterlegt.

Interessanter als das, was drinsteht, ist das, was fehlt. Der Klassiker von 1995 führt bei uns dreizehn Noten, angeführt von Lavendel und Minze in der Kopfnote (Gewicht 5 und 3) und getragen von Vanille und Tonkabohne in der Basis. Diese Minze – der kühle, fast rasierschaumartige Auftakt, an dem man Le Mâle blind erkennt – taucht in Le Mâle Le Parfum nicht mehr auf. An ihre Stelle tritt Kardamom, und zwar mit dem Höchstgewicht. Wer den Nachfolger kauft, weil er den Klassiker mag, sollte das wissen.

Kardamom kommt von Elettaria cardamomum, einem Ingwergewächs aus Südasien. Die Samen werden wasserdampfdestilliert; der Anteil flüchtiger Verbindungen im Samen liegt bei bis zu acht Prozent. Analysen nennen 1,8-Cineol mit 20 bis 50 Prozent und α-Terpenylacetat mit rund 30 Prozent als Hauptbestandteile – Cineol ist derselbe Stoff, der Eukalyptus seinen Charakter gibt, und erklärt, warum grüner Kardamom frisch und beinahe minzig wirkt. Gewürz und Öl gehören gewichtsbezogen zu den teuersten der Welt, unter anderem weil das Aroma nach dem Öffnen der Kapsel schnell nachlässt. Indien, Indonesien und Guatemala decken zusammen rund 85 Prozent der Weltproduktion.

In der Basis steht Vanille, und das ist der Grund, warum dieser Duft überhaupt gut kopierbar ist. Der Leitstoff Vanillin wird zum überwiegenden Teil nicht aus Schoten gewonnen: Schon 2001 standen einer Nachfrage von 12.000 Tonnen nur 1.800 Tonnen natürliches Vanillin gegenüber, rund 85 Prozent der Weltproduktion stammen aus Synthese, davon der Großteil aus Guajakol. Petrochemisches Vanillin kostet grob 15 Dollar je Kilogramm. Ein vanillelastiger Sockel ist damit für jeden Hersteller bezahlbar. Teuer und schwer zu treffen ist die Spitze – der Kardamom und die pudrige Iris darunter.

Die Duftrichtungen, die wir für den Duft führen, passen dazu: Süß und Würzig mit dem Höchstgewicht 3, Pudrig und Orientalisch mit 2, Holzig mit 1. Als Parfümeure sind in unserem Datensatz Nathalie Gracia-Cetto, Quentin Bisch und Louise Turner hinterlegt; unabhängig nachprüfen konnten wir diese Angabe nicht.

Was die Bewertungen sagen – und was nicht

Die folgenden Werte sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten. Niemand hat mit der Stoppuhr gemessen, wie lange der Duft hält. Bei rund 5000 Stimmen je Kategorie mitteln sich Ausreißer aber heraus, und die Verteilung sagt etwas.

KategorieWert (von 10)Stimmen
Duft8,45.457
Flakon8,25.140
Preis-Leistung8,14.702
Haltbarkeit8,05.174
Sillage7,75.136

Sillage – die Duftspur, also wie weit der Duft im Raum wahrgenommen wird – ist mit 7,7 der schwächste Wert und liegt unter der Haltbarkeit von 8,0. Das ist die typische Signatur einer vanillebetonten Basis: bleibt lange auf der Haut, füllt aber keinen Saal. Wer den lauteren Auftritt sucht, liegt beim Elixir richtiger, das bei uns 8,3 in der Sillage führt.

Zum Preis: Wir führen 140,50 Euro für 125 Milliliter, also 112,4 Cent pro Milliliter. Diese Zahl ist ein Linienpreis, kein Tagespreis eines Händlers – belegt ist in unserem Datensatz eine UVP von 106 Euro für 75 Milliliter (das wären 141,3 Cent pro Milliliter), die 125-Milliliter-Angabe ist auf das Niveau von Le Mâle Elixir gesetzt, Stand 3. August 2026. Wer vergleicht, sollte die Spanne von rund 112 bis 141 Cent pro Milliliter im Kopf behalten, statt sich an einer Kommastelle festzuhalten.

Die drei Dupes, nach Preis pro Milliliter

Flakongrößen schwanken bei Dupe-Anbietern erheblich, der Flaschenpreis allein sagt deshalb wenig. Wir rechnen immer auf den Preis pro Milliliter der günstigsten regulären Größe ab 20 Millilitern; Duftproben zählen nicht mit. Nähe ist der Prozentwert, den wir dem jeweiligen Anbieter zuordnen – dazu gleich mehr. Die Bewertung ist die Shop-Bewertung auf einer Skala bis 5, mit der Zahl der Stimmen dahinter.

AnbieterDupeGröße / PreisCent pro mlNäheBewertung
DIVAINdivain.333100 ml / 26,95 €27,04,5 (62)
ÉCLATSweet Spices & Lavender55 ml / 24,95 €45,491 %5,0 (3)
Maison AffordThe Sailor Le Parfum56 ml / 29,90 €53,498 %4,3 (3)

Die beiden deutschen Anbieter liegen dicht beieinander: 45,4 gegen 53,4 Cent pro Milliliter, ein Unterschied von knapp fünf Euro auf den Flakon. Gegen das Preisniveau des Originals sind beide zwischen 40 und 60 Prozent günstiger, je nachdem, welchen der beiden Originalpreise man ansetzt. Beide haben allerdings genau drei Bewertungen. Aus drei Stimmen lässt sich nichts ableiten – weder die 5,0 bei ÉCLAT noch die 4,3 bei Maison Afford sind belastbar.

Zwei Einschränkungen kommen dazu, beide zulasten der Zahlen in der Tabelle. The Sailor Le Parfum ist bei Maison Afford ausverkauft; der Shop bietet nur eine Benachrichtigung bei Wiederverfügbarkeit an, Stand 14. August 2026. Und ÉCLAT verkauft den Duft derzeit für 14,97 Euro statt 24,95 – eine ausgewiesene Rabattaktion von 40 Prozent. Wir rechnen bewusst mit dem regulären Preis, weil Aktionspreise auslaufen; wer heute kauft, zahlt weniger als die 45,4 Cent in der Tabelle.

DIVAIN steht mit 27,0 Cent pro Milliliter deutlich am unteren Ende, läuft in unserem Dupechecker Pick aber nicht mit und ist auf der Duftseite ausgeblendet. Der Grund ist nicht die Qualität, über die wir nichts sagen können, sondern die Nachrechenbarkeit: Der Shop rabattiert praktisch sein gesamtes Sortiment dauerhaft – aktuell 11,99 statt 26,95 Euro –, und Versandkosten und Freigrenze sind in unserem Datensatz nicht dokumentiert. Ein Preis, dessen Regelfall wir nicht kennen und dessen Endsumme wir nicht nachrechnen können, gehört nicht in einen Vergleich, in dem er alles andere schlägt. Mit 62 Bewertungen hat DIVAIN dabei als einziger der drei eine brauchbare Stimmenzahl.

Wo die Zahlen unscharf werden

Der Nähewert ist kein Messwert für den einzelnen Flakon, sondern ein Markenquerschnitt: Er sagt, wie nah ein Anbieter im Mittel an seine Vorlagen herankommt. Maison Afford liegt in der Spanne 95 bis 98 Prozent und damit im Feld ganz oben, ÉCLAT bei 90 bis 92. Für DIVAIN führen wir keine Spanne, deshalb steht dort kein Wert – lieber keine Zahl als eine geratene. Wer aus 98 gegen 91 liest, dass Maison Afford genau diesen Duft besser trifft, überinterpretiert die Zahl. Sie beschreibt das Haus, nicht das Fläschchen.

Dasselbe gilt für Haltbarkeit und Intensität, die auf der Duftseite als Kurve erscheinen: redaktionelle Einschätzungen relativ zum Original mit 100 Prozent, keine Messung. Maison Afford ist mit 115 Prozent Haltbarkeit und 98 Prozent Intensität angesetzt – etwas länger, gleich laut. ÉCLAT steht bei 100 Prozent Intensität und 75 Prozent Haltbarkeit; nach dieser Einschätzung startet der Dupe auf Augenhöhe und fällt früher ab. Das ist der Punkt, an dem die acht Euro Preisunterschied wieder relevant werden.

Unterschiedlich belastbar ist auch die Zuordnung. Maison Afford nennt Le Mâle Le Parfum selbst als Vorlage. ÉCLAT nennt zu keinem Duft ein Original; die Verknüpfung stammt bei uns aus einer veröffentlichten Zuordnungsliste Dritter und ist im Datensatz als unsicher markiert. Dafür passt das Notenbild auffällig genau: Die Produktseite listet Kardamom in der Spitze, Iris und Lavendel im Herzen, Vanille und orientalische Hölzer in der Basis – exakt die fünf Noten, die wir für das Original führen, in derselben Reihenfolge. Ein Beleg des Shops ist das nicht, ein starkes Indiz schon.

Bei der Konzentration wird es dünn. Für das Original ist in unserem Datensatz keine Stufe hinterlegt, und „Le Parfum“ ist kein definierter Begriff. Definiert sind Eau de Toilette mit etwa 5 bis 15 Prozent Riechstoffanteil, Eau de Parfum mit 15 bis 20 Prozent und Parfum beziehungsweise Extrait mit 15 bis 30 Prozent. Die Shops machen Angaben, die wir nicht prüfen können: ÉCLAT nennt 20 Prozent Eau de Parfum, Maison Afford 25 Prozent Extrait de Parfum. Selbst wenn beide Zahlen stimmen, sagen sie nur, wie viel Duftöl drin ist – nicht, welches.

Versand, und warum die Probe hier mehr zählt als sonst

ÉCLAT und Maison Afford versenden beide aus Deutschland, versandkostenfrei ab 59 beziehungsweise 50 Euro. Beide Flakons liegen darunter, ein Einzelkauf kostet also Versand. DIVAIN versendet aus Spanien; das ist innerhalb der EU zollfrei, die Konditionen sind bei uns aber nicht dokumentiert.

Bei drei Kandidaten, von denen zwei je drei Bewertungen haben und einer ausverkauft ist, trägt die Bewertungslage die Kaufentscheidung nicht. Hier hilft nur riechen. Vom Original gibt es bei Perfumproben24 eine Abfüllung ab 2 Millilitern für 3,99 Euro – auf 100 Milliliter gerechnet 199,50 Euro und damit ein Vielfaches des Flakonpreises, als Entscheidungshilfe aber die mit Abstand günstigste Variante. Wichtig: Das ist eine Umfüllung aus dem Herstellerflakon durch einen Dritten, keine Herstellerabfüllung und ohne Verbindung zur Marke.

Der Umweg lohnt bei diesem Duft besonders, weil der Kardamom-Auftakt polarisiert. Wer ihn am Original nicht mag, wird ihn auch am Dupe nicht mögen – und wer ihn mag, weiß nach zwei Millilitern, worauf er beim Nachbau achten muss.

Alle Duftzwillinge zu Le Mâle Le Parfum mit Preis je Milliliter, Nähe und Haltbarkeitskurve

Eine Frage bleibt offen, und sie betrifft das schmale Feld. Le Mâle war 2012 der meistverkaufte Herrenduft der Europäischen Union, die Lizenz liegt seit Januar 2016 bei Puig. Ein Duft aus dieser Linie müsste eigentlich in jedem Dupe-Sortiment stehen. Dass wir zum Klassiker 13 Nachbauten führen, zum Le Parfum aber nur drei, kann am Aufwand der Kardamom-Spitze liegen oder daran, dass die Shops den Ableger noch nicht abgearbeitet haben. Nachweisen können wir weder das eine noch das andere.

Quellen

  1. Jean Paul Gaultier · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  2. Cardamom · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  3. Vanillin · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  4. Perfume – Concentration classes and fragrance notes · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
  5. ÉCLAT Sweet Spices & Lavender Eau de Parfum · ÉCLAT · abgerufen am 14. August 2026
  6. The Sailor Le Parfum · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026

Über DupeVergleich

Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion

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