Editions de Parfums Frédéric Malle Portrait of a Lady: Was der einzige Dupe im Feld einlöst
395 € für 100 ml, sieben Duftnoten, von denen zwei fast alles tragen. Und genau ein Duftzwilling, der bei 53 Cent pro Milliliter dieselbe Notenliste behauptet.
von DupeVergleich · · 7 Min Lesezeit
Editions de Parfums Frédéric Malle verkauft Portrait of a Lady als Eau de Parfum in 100 ml für 395,00 €. Das sind 3,95 € pro Milliliter – bei zwei Sprühstößen am Tag ein Betrag, über den man nachdenkt. In unserer Datenbank steht der Duft bei 8,1 von 10 aus 1.938 Stimmen. Zerlegt man diese Wertung in ihre Teilnoten, ergibt sich ein klares Bild: Haltbarkeit 8,7, Sillage 8,3, Flakon 7,7 – und Preis-Leistung 6,6. Die schwächste Zahl ist die zum Geld, und sie kommt von Leuten, die den Duft besitzen.
Diese Wertungen sind Selbsteinschätzungen von Käufern, keine Labordaten. Das gilt für alle Community-Zahlen in diesem Text. Sie sagen etwas darüber, wie ein Duft ankommt, nicht darüber, wie lange ein Molekül auf der Haut messbar bleibt.
Im Dupe-Feld steht zu Portrait of a Lady bei uns genau ein Eintrag: Floral Incense von Maison Afford, 29,90 € für 56 ml. Nach unserer Preisansicht dupe_preise sind das 53 Cent pro Milliliter – etwa ein Siebtel des Originals. Ob dieser Unterschied durch das gedeckt ist, was im Flakon fehlt, ist die eigentliche Frage.
Sieben Noten, von denen zwei fast alles tragen
Portrait of a Lady erschien 2010 und stammt von Dominique Ropion, Jahrgang 1955, ausgebildet bei Roure Bertrand Dupont in Grasse und seit 2000 bei International Flavors & Fragrances. 2018 erhielt er den Titel Master Perfumer. Von ihm stammen auch Carnal Flower für dasselbe Haus, Alien für Thierry Mugler und La Vie Est Belle für Lancôme – ein Parfümeur, der sowohl Nischenbudgets als auch Massenmarktbriefings bedient.
Unsere Datenbank führt sieben Duftnoten mit einer Gewichtung von 1 bis 5, die angibt, wie stark eine Note das Bild trägt. Zwei stehen bei 5, und beide zusammen erklären den Duft weitgehend:
- Kopf: türkische Rose (Gewicht 5)
- Herz: Gewürznelke (3), schwarze Johannisbeere (2), Himbeere (2)
- Basis: Weihrauch (5), Patchouli (4), Sandelholz (1)
Das ist eine ungewöhnlich schmale Liste. Viele Düfte in dieser Preisklasse führen fünfzehn oder zwanzig Noten auf; hier sind es sieben, und die Konstruktion ist eine Achse: Rose oben, Weihrauch und Patchouli unten, dazwischen ein wenig Nelke und zwei rote Früchte als Signal. Die hinterlegten Akkorde bestätigen das – blumig und würzig je 3, holzig 2, orientalisch und rauchig je 1. Der Duft ist kein Rosenbouquet, sondern eine Rose, die auf einer Harz- und Erdbasis sitzt.
Johannisbeere und Himbeere stehen mit Gewicht 2 bewusst niedrig. Sie sorgen für den kurzen, leicht säuerlichen Auftakt, der die Rose davor bewahrt, sofort schwer zu wirken, und sind nach der ersten halben Stunde kein Thema mehr. Wer den Duft nach fünf Minuten am Handgelenk beurteilt, beurteilt den falschen Teil.
Warum das Original 3,95 € pro Milliliter kostet
Ein Teil der Antwort liegt in den Rohstoffen. Rosenöl hat eine Ausbeute von rund 1:3.000 – für eine Einheit Öl braucht es die dreitausendfache Menge Blütenmaterial. Bulgarien, die Türkei und Saudi-Arabien decken zusammen über 70 Prozent des Weltmarkts ab; „türkische Rose“ ist deshalb eine Herkunftsangabe mit Preisschild. In der Parfümerie wird überwiegend das per Lösungsmittel gewonnene Absolue verwendet, nicht das dampfdestillierte Rosenotto.
Weihrauch ist die zweite teure Position. Das Harz stammt von Bäumen der Gattung Boswellia, rund 90 Prozent der Weltproduktion kommen vom Horn von Afrika. Ein Baum liefert erst nach acht bis zehn Jahren, angezapft wird zwei- bis dreimal jährlich, und die späten Anzapfungen ergeben das aromatisch beste Harz. Eine Studie von 2019 sagte für Boswellia papyrifera einen Rückgang um 50 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten voraus. Das ist kein Marketingargument, sondern ein Beschaffungsrisiko, das sich mittelfristig im Preis niederschlägt.
Der ehrliche Teil der Antwort ist trotzdem: Rohstoffkosten erklären den Faktor 7 nicht allein. Frédéric Malle gründete Editions de Parfums im Jahr 2000 mit neun Düften und nannte als erster die Parfümeure namentlich auf Flakon und Schachtel – ein Bruch mit der Branchenpraxis, Parfümeure wie Ghostwriter zu behandeln. Diese Positionierung, die niedrige Auflage und die Übernahme durch Estée Lauder im Januar 2015 sind Teil der Preisbildung. Man bezahlt eine Komposition, aber auch ein Haus.
Wie er sich trägt
Haltbarkeit 8,7 und Sillage 8,3 sind für ein Eau de Parfum hohe Werte, und sie passen zur Konstruktion: Patchouli und Weihrauch sind schwere, langsam verdunstende Materialien, die eine Rose über Stunden festhalten. Praktisch heißt das, dass die übliche Dosierung hier zu viel ist. Zwei Sprühstöße auf Kleidung oder Nacken sind bei diesem Aufbau eher die Obergrenze als der Ausgangspunkt, und im Büro oder in der Bahn merkt das Umfeld das mit.
Ein sachlicher Hinweis zur Nelke: Nelkenöl besteht zu 70 bis 95 Prozent aus Eugenol, das in der Duftindustrie in großen Mengen für würzige und orientalische Richtungen eingesetzt wird. Wer weiß, dass er auf Nelke reagiert, findet den Stoff auf der Inhaltsstoffliste des jeweiligen Produkts – beim Original wie beim Dupe. Mehr lässt sich dazu ohne die konkrete Rezeptur nicht sagen.
Maison Afford Floral Incense: der einzige Dupe im Feld
Maison Afford sitzt in Deutschland, versendet ab 50 € kostenfrei und führte zum Stand 3. August 2026 nach eigener Sortimentsangabe 248 Artikel; 182 davon sind bei uns als Dupes erfasst. Floral Incense wird auf der Produktseite ausdrücklich als Richtung Portrait of a Lady beschrieben, die dort angegebenen Noten – türkische Rose, Nelke, Himbeere, schwarze Johannisbeere, Weihrauch, Patchouli, Sandelholz – decken sich Position für Position mit den sieben Noten, die wir zum Original führen. Der Shop gibt für sein Sortiment Extrait de Parfum mit 25 Prozent Duftölanteil an. Das ist eine Eigenangabe des Anbieters, keine geprüfte Messung.
Die Nähe zum Original weisen wir mit 96 Prozent aus. Diese Zahl ist ausdrücklich ein Markenquerschnitt, kein Messwert für diesen einen Flakon: Sie sagt, wie nah Maison Afford im Mittel an seine Vorlagen herankommt. Die hinterlegte Spanne des Hauses reicht von 95 bis 98 Prozent, der Schnitt über alle 182 erfassten Dupes liegt bei 96,4. Wer daraus „96 Prozent Übereinstimmung mit Portrait of a Lady gemessen“ liest, liest etwas hinein, das die Zahl nicht hergibt.
Dasselbe gilt für die Angaben Haltbarkeit 115 Prozent und Intensität 96 Prozent, jeweils bezogen auf das Original. Beides sind redaktionelle Einschätzungen, keine Messungen. Nutzerbewertungen liegen zu diesem Dupe bei uns bislang keine vor – weder eine Note noch eine Stimmenzahl. Das ist eine echte Lücke, und sie lässt sich nicht durch die Zahlen des Hauses ersetzen.
| Original | Dupe | |
|---|---|---|
| Name | Portrait of a Lady | Floral Incense |
| Anbieter | Editions de Parfums Frédéric Malle | Maison Afford |
| Jahr | 2010 | – |
| Konzentration | Eau de Parfum | Extrait (Angabe des Shops) |
| Größe | 100 ml | 56 ml |
| Preis | 395,00 € | 29,90 € |
| Preis je ml | 3,95 € | 0,53 € |
| Bewertung | 8,1 von 10 (1.938 Stimmen) | keine Bewertungen |
Was der Preisunterschied kostet
Eine identische Notenliste ist keine identische Rezeptur. Eine Notenpyramide nennt Duftrichtungen, keine Mengen und keine Qualitäten – „türkische Rose“ steht auf beiden Listen, sagt aber nichts darüber, ob im Flakon Rosenabsolue steckt oder ein synthetischer Nachbau aus Citronellol- und Geraniol-Bausteinen. Bei 53 Cent pro Milliliter, inklusive Flakon, Verpackung, Versand und Marge, ist der Anteil teurer Naturrohstoffe zwangsläufig kleiner als bei einem Produkt zum siebenfachen Preis. Das ist keine Unterstellung, sondern Arithmetik.
Praktisch zeigt sich so etwas meist nicht im ersten Eindruck, sondern in der Mitte: wie sauber die Rose über zwei, drei Stunden bleibt, bevor sie in die Basis kippt, und ob der Weihrauch trocken-harzig bleibt oder ins Süßliche rutscht. Ob Floral Incense das schafft, können wir mangels Bewertungen und ohne eigene Messung nicht sagen. Wir behaupten es deshalb auch nicht.
Zwei praktische Einschränkungen kommen dazu. Erstens gibt es hier kein Vergleichsfeld: Bei anderen Originalen stehen fünf oder sechs Dupes nebeneinander und man kann Preis gegen Nähe abwägen. Zu Portrait of a Lady gibt es bei uns genau einen Eintrag – Alternative ist entweder das Original oder gar nichts. Zweitens sind 56 ml eine ungewöhnliche Größe aus einem Sortiment von rund 250 Artikeln. Kleine Häuser rotieren ihr Programm; dass es diesen Duft in zwei Jahren noch gibt, ist nicht zugesichert.
Alle Zahlen zu Portrait of a Lady – Noten, Wertungen und der aktuelle Dupe-Preis →
Wer die Rose in der Dichte will, die Ropion 2010 gebaut hat, bekommt sie bei diesem Preis pro Milliliter mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in derselben Qualität. Wer eine Rose auf Weihrauch und Patchouli sucht und den Faktor 7 nicht zahlen will, hat im Moment genau eine Adresse – und sollte 29,90 € als das behandeln, was sie sind: der Preis für einen Versuch, nicht für eine Garantie.
Quellen
- Frédéric Malle · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Dominique Ropion · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Rose oil · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Frankincense · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Eugenol · Wikipedia · abgerufen am 14. August 2026
- Floral Incense – Produktseite · Maison Afford · abgerufen am 14. August 2026
Über DupeVergleich
Die Ratgeber-Beiträge entstehen in der Redaktion von DupeVergleich – auf Basis der eigenen Datenbank mit gemessenen Preisen, Nähe-Bewertungen und Duftprofilen sowie der jeweils unter dem Text genannten Quellen. Redaktion
Zur Einordnung. DupeVergleich ist ein unabhängiges Vergleichsprojekt und kein Händler. Duftbeschreibungen sind Einschätzungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Angaben und der in unserer Datenbank erfassten Werte – kein Labortest. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend und gelten ohne Gewähr.